Griechen. Dritter Perser-Krieg. 367
viele von ihnen aber wurden bei ihrer Annäherung an die Feindeim Gewühlt des Kampfes getödtet. Die Spartaner und die Thespierwaren bald von allen Seiten umzingelt; sie fochten gegen die her-andrängenden feindlichen Massen so lange, als ihre Kraft ausreichte,und fielen endlich in heldenmüthigem Kampfe alle bis auf den letz-ten Mann.
Terres erkannte jetzt die Wahrheit dessen, was Demaratusihm einst von den Spartanern gesagt hatte. Er war über den er-littenen Verlust vieler tausend Krieger sehr ergrimmt, und ließ inseinem Zorn die Leiche des spartanischen Königs enthaupten undaus Kreuz schlagen: eine Behandlung, welche der altpersischenDenkweise und Sitte ganz und gar zuwiderlief; denn die PerserPflegten, wie des l'erres Zeitgenosse, der Geschichtschreiber Herodot,sagt, bis dahin stets so sehr, als irgend ein anderes Volk, tapfereMänner zu ehren.
Den Griechen blieb das Andenken des Leonidas und derer,die mit ihm den Tod für das Vaterland gestorben waren, durchalle Zeiten ihrer Geschichte hindurch heilig. Die gefallenen Heldenwurden an der Stelle, wo sie den letzten Kampf gekämpft hatten,in einem gemeinschaftlichen Grabe beerdigt, und Denkmale und In-schriften verkündeten ihren Ruhm den nachkommenden Geschlechtern.Die dreihundert Spartaner wußte man noch einige Zeit nach ihremTode mit Namen zu nennen, und viele Lieder verherrlichten ihreund der Thespier That bei allen Völkerschaften der griechischenNation. Des Nationalruhms wegen schmückte man im Laufe derZeit die Erzählungen von dem Heldenmuth und der patriotischen Ge-sinnung dieser Männer immer mehr aus, und daraus entsprangen vielevon den Anekdoten, welche in den Büchern griechischer Schriftstellerzu finden sind. Diese sind offenbar auf eben dieselbe Weise ent-standen, wie so viele andere Erzählungen von großen Männernund Begebenheiten aller Zeiten und Völker. Es spricht sich inihnen daö Urtheil des Volkes aus, welches überall den Gedankendurch eine Erzählung zu verkörpern liebt, sowie der Eindruck, deneine große That stets auf Geist und Gemüth macht. Aus diesemGrunde, besonders aber wegen der öfteren Erwähnung der meistendieser historischen Anekdoten ist es nöthig, einige derselben anzu-führen. Xerres ließ, wie es in einer derselben heißt, am ersten