Geschichte der alten Welt.
Führer hatte. Die Demokratie war ihm aber nicht Zweck, sondernMittel; er führte die wildeste Demokratie theils selbst ein, theilsveranlaßte er ihre äußerste Entwickelung, allein er wollte demVolke eine schrankenlose Macht nur aus dem Grunde verschaffen,damit er selbst als unumschränkter Leiter desselben den Staat nachseinem eigenen Willen lenken könne. Dies erreichte er auch aufdaS vollständigste; denn obgleich die zügelloseste demokratische Ver-fassung, die sich denken läßt, in Athen bestand, so blieb Periklesdoch bis zu seinem Tode ein Herrscher im vollen Sinne des Wortes,und hielt das unlenksamste Volk der Welt mit demselben Zauberfest, mit welchem Napoleon sein ruhmberauschtes Heer beherrschte.Er selbst wußte sich in dieser Stellung so unentbehrlich zu machen,und das Volk fühlte das Bedürfniß eines solchen Regenten so leb-haft, daß er späterhin sogar die Maske der Popularität oft ab-legen konnte, daß er das Volk oft tadeln und schrecken, und ge-wissermaßen den Monarchen spielen durfte, ohne von der demokrat-ischen Eifersucht der Athener und von seinen vielen Feinden etwasfürchten zu müssen.
Die Mittel, durch welche Perikles sich diese Stellung erwarbund sicherte, waren so gut gewählt und so mannichfaltig, wie sienur das größte Talent aufzufinden vermag. Er hatte die Klug-heit, daß er, ehe er in der Gunst des Volkes fest genug stand, nieals ein eigentliches Parteihaupt auftrat. Auch verschaffte und erhielter sich seine Macht nicht, wie viele Andere, durch unrechtmäßigeMittel; er war namentlich stets unbestechlich und höchst gewissenhaftin der Verwaltung der Staatsgelder. Dem Charakter des athen-ischen Volks und den Zeitumständen waren die Mittel angepaßt,durch welche er von Zeit zu Zeit seine Herrschaft zu befestigensuchte. Er veranlaßte die Gründung neuer Colonieen, um Tau-sende von armen Bürgern zu versorgen, und bewirkte Getraide-Austheilungen aus Kosten des Staats. Er ließ ferner viele undgroße Bauwerke errichten, wodurch er nicht allein die Stadt ver-schönerte, und sich selbst als den Verherrliche,.- derselben hob, son-dern zugleich auch einer Menge Handwerker und Künstler Beschäft-igung und Nahrung verschaffte. Ebenso veranstaltete er viele Feste,und erhöhte den Glanz der bereits bestehenden, theils um durchSchaugepränge und öffentliche Bewirthungen seine Mitbürger an