Band 
Erster Band.
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488 Geschichte der alten Welt.

erhöht. Auch durch diese Maßregel verpflichtete sich Perikles mehreretausend ärmere Bürger; er bewirkte aber dadurch zugleich auch,daß diese fast insgesammt in jeder Volksversammlung erschienen,und daß somit die Gesetzgebung, Staatsverwaltung und Rechts-pflege in die Hände von Ungebildeten kam, welche blinde Werkzeugedessen waren, der sie zu leiten verstand.

Perikles gewann sich das Volk noch durch einige andere Mit-tel ähnlicher Art. Er setzte den Beschluß durch, daß der Staat denBürgern im Kriege Sold und Verpflegung gebe, während derKriegsdienst seither unentgeltlich gewesen war. Der Sold einesHopliten oder Schwerbewaffneten betrug niemals weniger als zweiObolen täglich und ebensoviel für die Verpflegung; die Officierepflegten das Doppelte, die Reiter das Dreifache zu erhalten. Be-denkt man nun, daß um jene Zeit der Werth des Geldes sechs- bisachtmal höher war als jetzt, so sieht man, daß dainals der Kriegallein Tausende von Menschen in den Stand setzte, ein Leben zuführen, wie etwa unsere Beamten des Mittelstandes. Perikles sorgteferner dafür, daß jährlich eine athenische Flotte von wenigstenssechszig Schiffen die See hielt, wodurch es ihm möglich ward, einegroße Anzahl Menschen, die er bei den Staatsbauten nicht beschäft-igen und ernähren konnte, acht Monate lang auf Staatskosten zuunterhalten. Endlich dienten ihm noch einzelne Kriegsunternehm-ungen dazu, die Bürger durch Beute und Raub zu bereichern;schon Cimon hatte dies begonnen, Perikles aber trieb es noch vielweiter als er.

Alle angeführten Maßregeln des Perikles mußten, sobald mitseinem Tode der verständige Leiter fehlte, den Athenern zum Ver-derben gereichen; ihm selbst aber machten sie Dinge möglich, dieden mächtigsten Monarchen unmöglich geblieben sind. Nicht nurbrachte er die Athener in gänzliche Abhängigkeit von sich und seinemWillen, sondern er gab auch ihrem Leben einen Charakter, ihrenKünsten einen Glanz und ihrer Wissenschaft einen Adel, den späterselbst die stolzen Römer als einen Vorzug den Athenern zugestehenmußten. Man kann fast geradezu behaupten, daß unmittelbar nachPerikles Zeit der gemeinste Bürger Athen's an Feinheit, Kunstsinnund Geschmack den gebildetsten Männern aller Zeiten gleich stand.Perikles machte Kunst und Wissenschaft zu wesentlichen Bestand-