Grieche«. Perikles und Athen. 4gg
Heilen der athenischen Demokratie, verschaffte seinen Mitbürgerndie höchste Bildung, und erhob Athen zur glänzendsten Stadt, zumSitz aller Künste und Gewerbe und zum Mittelpunkt des geistigenLebens der Griechen. Jeder Athener ohne Ausnahme beschäftigtesich mit der Kunst und mußte sich mit derselben beschäftigen, weil 'täglich auf dem Markt, in den Barbierstuben, Kramläden, Säulen-hallen und öffentlichen Gartenanlagen, den gewöhnlichen Vereinig-ungsorten der Einwohner, von derselben die Rede war, undweil außerdem unter zwanzig Bürgern wenigstens drei auch durchihre äußeren Verhältnisse mit der Kunst in Berührung kamen.Ebenso waren auch Grammatik und Dialektik oder die Wissenschaft derSprache und des Denkens im täglichen Leben der Athener vongroßer Bedeutung: jeder konnte ja jeden Augenblick in den Fallkommen, über die verwickeltsten Fälle Rechenschaft geben zu müssen;jeder hörte in den Gerichtssitzungen und in der Volksversammlungdie trefflichsten Reden, und brauchte kein anderes Studium, als denMarkt, den täglichen Verkehr und die Gerichte, keine fremde Spracheund keine andere Kenntniß, als die mit ihm und seinem Leben un-mittelbar zusammenhängende. Wer wird sich daher wundern, daßjeder Athener der Perikleischen Zeit sich einbilden konnte, ein bessererRichter über Kunst, Poesie und Beredsamkeit zu sein, als die ge-lehrten Kenner irgend einer anderen Zeit L
Athen ward zu Perikles Zeit und hauptsächlich durch diesenStaatsmann herrschender und Ton-angebender Staat in Griechen-land, und zwar nicht allein seiner äußeren Stellung und Machtnach, sondern auch in Hinsicht auf Kunst, Wissenschaft, Gewerbeund Lebensweise. Alles, was sich bisher einzeln und zerstreutbei dem griechischen Volke gefunden hatte, drängte sich jetzt inAthen zusammen; diese Stadt wurde das Musterbild des eigent-lichen griechischen Wesens, das ganze geistige Leben der geist-reichsten Nation erhielt in Athen seinen Brennpunkt, und strahltevon hier aus wieder in alle andere Theile Griechenlands, mitAusnahme von Sparta und Böotien. Diese große Bildung undBedeutung der athenischen Bürgerschaft ward äußerlich durch denReichthum, der in ihr zusammenfloß, durch die Leichtigkeit des Er-werbs und durch die Wohlfeilheit der Lebensbedürfnisse möglich ge-macht. Athen war damals die erste griechische Handelsstadt und