Geschichte der alten Welt.
das Haupt eines großen Reichs; es war der Mittelpunkt desVerkehrs und der Sitz der Regierung von vielleicht fünfzehn Milli-onen Menschen; unter den von ihm abhängigen Staaten gab essogar mehrere, welche Athen an Bevölkerung weit übertrafen. DieAthener hatten viele Colonieen in verschiedenen Ländern gegründet,und daselbst ganze Striche Lands sich unterworfen. Sie standenaußerdem ander Spitze eines großen Bundes griechischer Staaten, welchevon ihnen wie Unterthanen behandelt wurden; die Bundeskasse sahensie, wie einst Perikles in Athen vor dem versammelten Volke lautaussprach, als einen Schatz an, welcher nicht denen, die die Steuergaben, sondern denen, welche sie einnahmen und verwalteten, gehöre.Ja, zu Perikles Zeit verloren die meisten verbündeten Staaten nachund nach sogar ihre eigene Gerichtsbarkeit, und mußten alle ihreProcesse vor die athenischen Gerichte bringen; nur Chios und dielesbische Stadt Methpmna behaupteten wenigstens in dieser Hinsichtihre Selbstständigkeit.
Die jährliche Gesammteinnahme des athenischen Staats istzwar nicht bekannt; aber sie läßt sich im Allgemeinen aus einigeneinzelnen Angaben schätzen, so wie aus dem Umstand, daß man,ungeachtet des größten Aufwands für Bauten, Kunstwerke, Festeund Schauspiele, in einer im Ganzen gewannen Zeit aus demreinen Überschuß einen großen Schatz anzulegen vermochte. DieSteuer der Bundesgenossen allein betrug gegen tausend Talenteoder mehr als dritthalb Millionen Gulden (gegen 1'/- MillionenThaler), und da das Geld zu jener Zeit einen sechs- bis achtfachhöheren Werth als heut' zu Tage hatte, so gibt schon diese einzigeEinnahme eine Summ;, welche den Einkünften einer ganzen An-zahl deutscher Bundesstaaten gleichkommt. Der Reichthum desathenischen Staats war so groß, daß zur Zeit des Perikles inner-halb weniger Jahre, ungeachtet aller Ausgaben, als Ersparnißachttausend Talente oder gegen einundzwanzig Millionen Gulden(11'/, Millionen Thlr.) in den Staatsschatz niedergelegt werdenkonnten, d. h. eine Summe, die man wieder um das Sechs- undAchtfache erhöhen muß, wenn man sie nach dem Geldwerth unsererZeit schätzen will. Der Reichthum einzelner Bürger war ebenfallsaußerordentlich groß geworden. Während noch zur Zeit Solon'sein Vermögen von sieben Talenten oder 18,000 fl. (10,000 Thlrn.)