Griechen. Peloponnes. Krieg bis z. Frieden des Nicias 4ZZ
seither alle diese Leiden ertragen; als er aber, nach der bei denGriechen herrschenden Sitte, daß der nächste Anverwandte demVerstorbenen den Todtenkranz aufsetzte, an der Leiche seines letztenSohnes diese Pflicht der Liebe erfüllte, da übermannte ihn derSchmerz, und er brach in laute Klagen und in einen Strom vonThränen aus.
Die Athener besannen sich bald eines Besseren, und setztenPerikles, welcher ihnen unentbehrlich geworden war, wieder in seinefrühere Stelle ein; ehe er ihnen aber aufs neue nützlich werdenkonnte, raffte ihn selbst der Tod zur unglücklichen Stunde hin(429 v. Chr.): er wurde von der herrschenden Krankheit befallenund erlag derselben. Es wird erzählt, daß, als die ihn umstehen-den Freunde an seinem Sterbebette sich von seinen großen Thatenunterhielten, der sterbende Staatsmann sich noch einmal erhobenund ihnen zugerufen habe: „Ihr preiset meine glücklichen undglänzenden Thaten, vergeht aber das Schönste und Größte, nämlichdaß nie einer meiner Mitbürger durch meine Schuld in Trauerversetzt worden ist!"
9. Der peloponnesische Krieg vom Tode des Periklesbis anf den Frieden des Nicias.
Die Unternehmungen der nächsten Jahre des Kriegs bliebenohne wichtigen Erfolg, so verderblich auch die Verwüstungen wa-ren, welche von beiden Seiten angerichtet wurden. Als Periklesstarb, gab es in Athen keinen Redner oder Staatsmann von Be-deutung und Einfluß, der zugleich die Verständigen leiten, und aufdas gemeine Volk, welches die Regierung in Händen hatte, Ein-druck machen konnte. Nicias, Demosthenes, Lamachus undKleon waren in der nächsten Zeit die am meisten hervortretendenMänner zu Athen. Nicias, der reichste von ihnen, war durch-aus nicht zu einem Leiter des Volks gemacht, wohl aber konnte erwegen seiner Ruhe und Besonnenheit in gewissen Fällen ein nütz-licher Anführer des Heeres sein. Ebenso verhielt es sich mit De-mosthenes, obgleich dieser General etwas rascher sein mochte.Lamachus war nichts als ein tapferer Soldat; er liebte ritterlichenPutz, und war neben seiner Geckenhaftigkeit überdies zu arm, als