Griechen. Pcloponnes. Krieg bis z. Frieden des Niciaö. 411
Pylos, da, wo jetzt die in unseren Tagen durch einen Seesieg überdie Türken berühmt gewordenen Orte Alt- und Neu-Navarinoliegen, eine Burg. Demosthenes blieb mit fünf Schiffen und einemTheil des Heeres in der kleinen Festung, und diese füllte sich baldmit entlaufenen Heloten und Messeniern der Umgegend. DieSpartaner wurden durch die Gründung einer feindlichen Festungauf der Küste des ihnen unterworfenen Landes Meffenien sehr be-unruhigt, da ihnen dieselbe leicht verderblich werden konnte. Siegriffen daher Pylos zu Wasser und zu Lande an, wurden aberdurch die von Korcyra zurückkehrende athenische Flotte in die Fluchtgeschlagen. Vierhundert und zwanzig Spartaner, welche größten-theils den ersten Familien ihrer Vaterstadt angehörten, hatten gleichanfangs die vor der Bucht von Pylos liegende Insel Sphak-teria besetzt, um die feindlichen Schiffe an dem Einlaufen in dieBai zu hindern. Diese Schaar war fetzt abgeschnitten, und wurdevon der athenischen Flotte so enge eingeschlossen, daß Sparta, umsie nicht in Feindes Hand fallen zu sehen, den Frieden unter sehrbilligen Bedingungen anbot, und einstweilen einen Waffenstillstandmit Demosthenes schloß. Zum Unglück aber wurde die Volksver-sammlung damals von dem Demagogen Kleon geleitet, der sichhöchst unberufen in alle Angelegenheiten mischte, und fetzt dem Volkedie Überzeugung beibrachte, die Spartaner seien so sehr aufs äußerstegebracht, daß sie jede Bedingung eingehen müßten, und nur dembösen Willen der athenischen Aristokraten sei es zuzuschreiben, daßSphakteria nicht schon erobert wäre. Er beredete also die Athenerzu den unmäßigsten Forderungen, auf welche Sparta durchausnicht eingehen konnte, und so wurde der Krieg von neuem fort-gesetzt.
Die athenischen Generale, denen man eine größere Zahl vonSchiffen zugeschickt hatte, ließen diese Tag und Nacht hin- und Her-segeln, damit keine Lebensrnittel in die unbewohnte und waldbedeckteInsel gebracht würden. Die Spartaner aber boten Alles auf, umLebensrnittel dahin zu schaffen: sie versprachen jedem Heloten, wel-cher dies bewerkstellige, die Freiheit, sowie jedem Freien eine an-sehnliche Geldsumme. Die Umzingelten erhielten trotz der Wach-samkeit der Athener so viele Lebensrnittel, und bewiesen selbst eineso große Ausdauer, daß dadurch die Nothwendigkeit der Übergabe