Band 
[Fünfzehnter Band.]
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342 Geschichte der neueren Zeit.

pensation (der veniu getutis) bedurfte. Jnnocenz gewährte jedochdie Letztere und entschied die streitige Wahl zu Gunsten des baierischeuPrinzen. Ludwig ließ hierauf wegen seiner Händel mit dem Pabstedessen Fürstenthum Avignon wieder besetzen. Nach dem Tode Jn-nocenz XI. (1689) gab er dieses jedoch wieder heraus, und mitdessen zweitem Nachfolger, Jnnocenz XII., einigte er sich auch inBetreff der Quartier-Freiheit und der Rechte der gallikanischen Kirche.

Der Streit, welchen LudwigXIV. mit den Jansenisten seinesReiches hatte, kann hier nur im Vorbeigehen berührt werden, sowichtig er auch für die Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts undbesonders für die der französischen Revolution ist, weil wir nichtauf jansenistische Philosophie oder Theologie eingehen können. Jan-senius, ein im Jahre 1636 gestorbener niederländischer Bischof,hatte in einem Buche, welches Augustinus betitelt war, durch angeführteStellen dieses Kirchenvaters bewiesen, daß derselbe über Gnade,freien Willen und göttliche Vorherbestimmung etwas ganz Anderes ge-lehrt habe, als was in den Schulen, auch in denen der Jesuiten,für seine Lehre ausgegeben werde (s. Th. IV., S. 587—589).Ein großer Theil der katholischen Geistlichkeit Frankreich's nahmdie von Jansenius ausgesprochene Ansicht an, und vertheidigte alsodie ächte Lehre Augustin's von der Gnade und der VorherbestimmungGottes gegen den Semi-Pelagianismus, welcher durch den Mönch Cas-sianus in die Kirche gebracht worden war und seit dieser Zeit ein Lehrsatzderselben geblieben ist. Die Jesuiten dagegen bearbeiteten den PabstJnnocenz X., damit er über einen Punkt, welcher so weit vom Lebenund vom Verständnisse aller derer entfernt ist, die nicht aus demGrübeln ein Geschäft machen, durch eine positive Entscheidung fest-setze, was der Kirchenvater gelehrt habe, und was die anderenTheologen lehren dürften. Da die Jesuiten in Rom den Hauptein-fluß hatten, so ging der Pabst, ohne sich lange zu bedenken, auf ihr Ver-langen ein. Er untersuchte nicht einmal, ob die fünf Sätze, welcheJanseu's Gegner zum Beweise seiner ketzerischen Ansicht aus dessenBuche gezogen hatten, auch wirklich in demselben enthalten seien.Er verdammte vielmehr ohne Weiteres die fünf Sätze als ketzerisch.Jansenius selbst und sein Buch wurden jedoch erst von dem folgen-den Pabste, Alexander VII., verdammt (Oktober 1656).