Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Ungarn. Verschwörung gegen Kaiser Leopold I. ZtzZ

Diese gefährliche Verbindung der vornehmsten ungarischen Land-herren ward mehr als vier Jahre geheim gehalten; oder vielmehrsie war zwar dem östreichischen Kabinet bekannt, man konnte aberohne schriftliche Beweise.und glaubhafte Zeugen gegen die erstenMänner der Nation, welche zum Theil fürstlichen Ranges waren,nicht einschreiten. Peter Zriny erhielt daher auch gerade in dieserZeit die früher von seinem Bruder bekleidete Stelle eines Bansvon Kroatien; und der Kaiser nahm die Miene an, als wenn ervon den vielen Gesandtschaften an Apaffi und an die Türken nichtswisse, obgleich sowohl katholische als protestantische Magnaten nichtverhehlten, daß sie, um der deutschen Herrschaft entledigt zu werden,eine der siebenbürgischen ähnliche Regierung unter türkischem Schutzezu bilden suchten. Die Lage der Dinge ,in Ungarn war damalsfast gerad so, wie sie jetzt in Italien ist.

Der eigentliche Kern 'der Verschworenen bestand aus Leuten,welche, wie die Frangipani, der Statthalter Tettenbach vonSteiermark, Franz Ragoczy, Peter Zriny und Nadasdi,auch außerhalb Ungarn's bedeutende Besitzungen hatten. Tettenbachkonnte sogar als Deutschmeister die Hülfe des deutschen Reichesgegen den Kaiser anrufen, als dieser gerichtliche Beweise gegen^ihnerhielt. Zu dem Letzeren gab Tettenbach, welcher in seinem Wohn-sitze Gratz lustig und üppig zu leben fortfuhr , selbst Veranlassung.Er hatte nämlich einen unwürdigen Vertrauten, der ihn auf solcheWeise bestahl, daß er auf Tettenbach's Ansinnen in das Kriminal-Gefängniß geworfen wurde. Dies geschah gerade zu der Zeit, alsFranz Ragoczy und dessen Schwiegervater Peter Zriny schon zu denWaffen gegriffen hatten. Der verhaftete Dieb ließ den Stadtrichterrufen, und lieferte demselben gegen die Zusicherung der Straf-losigkeit Briefe und andere Schriften der Männer aus, derengefährliche Plane man längst kannte, deren Namen man aber zumTheil nicht wußte, und gegen welche man keine Beweise in Händenhatte. Die von dem Verräther mitgetheilten Aktenstücke wurdenvon dem Stadtrichter an den Kanzler Paul Hocher geschickt,welcher dann seinerseits das Nöthige insgeheim veranstaltete,während Lobkowitz als Präsident des Hof-Kriegsrathes die Trup-pen in Ungarn verstärkte, und den deutschen Generalen daselbstdie nöthigen Befehle ertheilte. Da Tettenbach ganz sicher war, so