Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
70
JPEG-Download
 

70

Geschichte der neueren Zeit.

Verordnung allen Unterthanen bei schwerer Strafe, die Waffen zuergreifen. Schon fünf Tage nachher erschracken jedoch die hoch-adeligen Herren vor den Folgen, welche dieses Gebot für ihre Be-haglichkeit und ihre Güter haben könnte. Sie erklärten daher ineinem neuen Ausschreiben vom 21. Mai, daß durch die frühereVerordnung kein Volksaufgebot, sondern nur die Aufstellung einesVerzeichnisses aller waffenfähigen Unterthanen beabsichtigt sei. Wiehätte unter solchen Umständen der Oberbefehlshaber des hannoveri-schen Heeres, auch wenn er der Mann dazu gewesen wäre, energischhandeln können! Walmoden'und das Heer wollten kämpfen, siekämpften sogar, als Mortier Ende Mai über die Grenze marschirtwar, in einem Scharmützel mit Muth, und mit Glück; allein dieSelbstsucht der privilegirten Stände und der kleinliche, jedem patrio-tischen und idealen Gefühle unzugängliche Geist der Beamten ver-schafften auch diesmal wieder dem Gemeinen das Übergewicht über dasGroße und Würdige. Der Kabinets - Rath Rudlof ließ dem Heeregebieten, unthätig stehen zu bleiben, und schickte an Mortier zwei Com-missäre, welche unter jeder Bedingung einen Kampf abwenden sollten.

Diese Commissäre schloffen am 3. Juni in Suhlingen eineCapitulation, nach welcher alles Land bis zur Elbe den Franzoseneingeräumt, alle hannöverischen Truppen aber hinter diesen Flußzurückgezogen und dadurch, daß sie sogleich Waffen, Pferde undGeschütze dem Feinde übergäben, wehrlos gemacht werden sollten.Die Capitulation bedurfte jedoch der Bestätigung Bonaparte's.Diesen Punkt verschwiegen die weisen Herren des Kabinets ihremOberbefehlshaber, weil sie besorgten, Walmoden möchte die Aus-führung des Vertrages verweigern und also sie selbst und ihre Gü-ter in Gefahr bringen. Walmoden übergab dem Inhalte derCapitulation gemäß die befestigte Stadt Hameln dem Feinde, erschrackaber nicht wenig, als er nachher den Artikel wegen der Ratifikationerfuhr. Bonaparte verweigerte diese, und Mortier erhielt den Be-fehl, über die Elbe zu setzen und das hannöverische Heer kriegs-gefangen zu machen. Dieser Schmach wollten Walmoden und seinKriegsrath sich nicht unterwerfen; sie waren vielmehr entschlossen,durch verzweifelten Kampf wenigstens die militärische Ehre zu retten.Jetzt halfen sich die Herren in Hannover damit, daß sie die Feudal-Stände, welche ebenso wie sie nur an ihre Standesvorrechte dachten,