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Geschichte der «eueren Zeit.
Das französische Hauptheer hatte, als es von Ulm her vordrang,weder durch den in Barern stehenden Rest der Östreicher, noch auchdurch Kutusow, welcher bis zum Jnn vorgerückt war, aufgehaltenwerden können. Kutusow mußte vielmehr nach Mähren zurückweichen,um sich mit der zweiten russischen Armee unter Burhövden zu ver-einigen. Auf diesem Rückzüge erhielt er jedoch durch Mortier'sUnvorsichtigkeit Gelegenheit, seinen Gegnern einen bedeutenden Schlagzu versetzen. Mortier griff nämlich am 11. November die Russenbei Dirnstein an, ohne zu ahnen, daß er es mit einem weit über-legenen Feinde zu thun habe. Er ward mit furchtbarem Verlustezurückgeschlagen, und sein Heer würde sogar aufgerieben wordensein, wenn nicht Düpont, welcher zu gleicher Zeit bei Stein einenschweren Kampf mit den Östreichern zu bestehen gehabt hatte, sichglücklich durchgeschlagen hätte und seinen Landsleuten zu Hülfe ge-kommen wäre. Auch bei Gelegenheit dieser beiden Treffen schämtensich die Franzosen nicht, in ihren Bülletins eine schwere Niederlagein einen Sieg umzukehren, und ihre Geschichtschreiber tragen nochimmer kein Bedenken, diese Lüge zu wiederholen. An demselbenTage, an welchem die Franzosen bei Stein und Dirnstein großenVerlust erlitten hatten, erschien Mürat in der Nähe von Wien.Schon am 13. November überreichten ihm die Bürger von Wiendemüthig bittend die Schlüssel ihrer Stadt; denn von Seiten desVolkes fanden die Franzosen damals nirgends Widerstand. Dieswar die Folge jenes unseligen Regierungs - Systems, welches dieStaatsverwaltung in eine bloße Maschinerie umgewandelt und jedenBürger daran gewöhnt hatte, nur an seinen eigenen Vortheil zudenken. Erst in Spanien empfand nachher Napoleon, was es heiße,gegen einen Nationalgeist zu kämpfen. In Wien bemächtigten sichdie Franzosen einer Masse von Kriegsvorräten aller Art. Sieschrieben außerdem dort und im ganzen Erzherzogthume starke Con-tributionen aus. Zu gleicher Zeit trug Napoleon kein Bedenken,den Krieg auch durch Zeitungen zu führen und die in der Revolu-tion erfundene Kunst anzuwenden, vermöge deren man durch gedun-gene Sophisten eine öffentliche Meinung schafft. Er befahl demzum Gouverneur von Wien ernannten General Clarke, Leute vonEinfluß zu gewinnen, welche in Zeitungen und Journale so schrie-ben, wie er wünsche, daß das Volk denke.