Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

hätte. Winzingerode schloß nämlich mit Mürat einen Friedens-Vertrag ab, und da vermöge desselben bis zum Eintreffen der Ra-tifikation Napoleon's die Waffen ruhen sollten, so erhielt dadurchKutusow Gelegenheit, insgeheim aufzubrechen und unverfolgt nachZnaym zu ziehen. Er mußte zwar, um den Feind täuschen zukönnen, sieben- bis achttausend Mann unter Bagration zurück-lassen, und diese wurden hierauf sogleich von dem aus dreißigtausendMann bestehenden französischen Heere angegriffen; allein Bagrationschlug sich nach einem dreitägigen Kampfe, der ihm seine Kanonenund die Hälfte seiner Leute kostete, glücklich durch. Jetzt standen inMähren die beiden mit einander vereinigten russischen Heere, beidenen Kaiser Alexander selbst sich befand, und noch außerdemetwa zwanzigtausend Mann Östreichcr. Ein drittes russisches Heerunter B enning sen war von Polen her, der Erzherzog Karl abervon Steiermark her im Anmarsch. Zugleich hatte Erzherzog F er-dinand die nach Böhmen geretteten Trümmer seines Heeres wiederauf zwanzigtausend Mann gebracht. Außerdem standen nicht alleinin Norddeutschland die Russen, Engländer und Schweden kampf-gerüstet da, sondern auch das preußische Kabinet, dessen GesandterHaugwitz bisher von Napoleon unter allerlei Verwänden hingehal-ten worden war, mußte endlich zu einer entscheidenden Erklärungkommen, und diese konnte, wenn sie vor einer Hauptschlacht gegebenward, nur zu Gunsten der Alliirten ausfallen. Auf Seiten derFranzosen dagegen wurden Massen« und Gouvion St. Cyr in Ita-lien zurückgehalten, ihr Hauptheer aber, welches außer Ungarn,Böhmen und Ober-Schlesien fast das ganze östreichische Gebiet be-setzt und Alles ausgeplündert hatte, war auf einen weiten Raumvertheilt. Napoleon befand sich also in einer sehr bedenklichen Lage,aus der nur eine entscheidende Schlacht ihn retten konnte. Daßer sich nicht allein aus seiner Verlegenheit zog, sondern noch dazueinen glänzenden Sieg erfocht, verdankte er nicht blos seinem Feld-Herrn-Talente und der Tapferkeit seiner Truppen, sondern noch weitmehr der kaum begreiflichen Unbesonnenheit der Russen, der Zaghaf-tigkeit des preußischen Kabinets und dem Kleinmuthe des KaisersFranz. Dies wird aus der Darstellung des Verlaufes der Bege-benheiten einleuchtend werden.