Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

seinem Schrecken sich persönlich zu Napoleon zu begeben, welcherdann dem deutschen Kaiser die erbetene Waffenruhe als eine Gnadezugestand, und ihn zugleich auf dieselbe Weise zum Werkzeuge fürseine weiteren Plane machte, wie er sich nach den ersten Siegen desJahres 1796 des Königs von Sardinien bedient hatte (s. Th. XVII.,S. 402 ff.). Freilich war das Kriegswesen des östreichischen Staatesdamals im traurigsten Zustande, so daß Erzherzog Karl, welcherbald nachher zum Generalissimus ernannt wurde, sich zu den aus-gedehntesten Reformen genöthigt sah. Schon in der Nacht vom 2/3.December ließ Kaiser Franz durch den Fürsten von LichtensteinNapoleon um eine persönliche Zusammenkunft ersuchen. Diese wardihm am 4. December gewährt, und zwar absichtlich nicht im fran-zösischen Haupt-Quartier, sondern in einem Bivouac. Sie hat denFranzosen Gelegenheit gegeben, ihren Helden und seine Generaleim glänzendsten Contrast mit dem östreichischen Kaiser und seinerUmgebung darzustellen und allerlei Anekdoten in Plutarch's Art zuerfinden. Wir bleiben bei den nackten Thatsachen stehen.

Kaiser Franz bat um einen Waffenstillstand, während dessen dannüber einen Frieden unterhandelt werden sollte. Napoleon bewilligtedenselben unter der Bedingung, daß die Russen in der kürzesten Zeitdas östreichische Gebiet räumten. Nachdem Kaiser Alexander seinemBundesgenossen zu Gefallen sich hierzu bereit erklärt hatte, wurdeder Waffenstillstand am 6. December abgeschlossen. Da die Fran-zosen während desselben etwa ein Drittel der östreichischen Monarchiebesetzt halten und aussaugen durften, so willigte Franz gern in jedeFriedensbedingung, damit nur sein Land recht bald vom Feinde ge-räumt werde. Andererseits wünschte auch Napoleon, um freie Handgegen Preußen zu erhalten, einen baldigen definitiven Abschluß.Schon am 26. December wurde daher zu Preßburg der Friedenunterzeichnet. Durch diesen Preßburger Frieden verlor Östreichtausend Quadratmeilen Land mit drei Millionen Einwohnern. KaiserFranz mußte nämlich die erst wenige Jahre vorher erhaltenen vene-tianischen Besitzungen an das Königreich Italien, Tyrol, Vor-Arlbergund andere Landstriche an Baiern, das Breisgau nebst verschiedenenStädten und Herrschaften an Würtemberg und Baden abtreten.Dafür erhielt er das ganze Land des kaum erst geschaffenen Kur-fürsten von Salzburg, welcher durch das von Baiern abgetretene