Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
99
JPEG-Download
 

Frankreich U. Östreich. Preßburger Frieden. gg

Bisthum Würzburg, dem man den Titel eines Kurfürstentums gab,entschädigt wurde. Außerdem wurden alle Güter und Rechte desdeutschen Ritter-Ordens einem östreichischen Prinzen erblich ver-liehen, und dem Erzherzog Ferdinand, welchem das Breisgaugehört hatte, eine Entschädigung in Deutschland versprochen. DieKurfürsten von Baiern und Würtemberg erhielten den Königstitel,und Kaiser Franz verpflichtete sich nicht nur, sie und den Kurfürstenvon Baden als unumschränkte Herrscher anzuerkennen, sondern esward auch die bevorstehende Auflösung des deutschen Reiches unddie Gründung eines an Frankreich geknüpften neuen Reiches dadurchangekündigt, daß man rn dem Friedensvertrage den unbestimmtenAusdruck hinzufügte, die genannten drei Fürsten sollten Glieder einesdeutschen Staatenbundes (eonköäörntion Zermnniguo) bleiben. Übri-gens wurde dem Könige von Würtemberg noch die Grafschaft Bon-dorf, sowie dem Könige von Baiern die Reichsstadt Augsburg zu-getheilt.

Noch weit härter, als der große Verlust von Land und Leuten,waren für Östreich die unmittelbaren politischen Folgen dieses Frie-dens; denn Kaiser Franz mußte fortan alle Usurpationen und Er-pressungen anerkennen, die sich Napoleon und seine Creaturen er-laubten. Seit dem Abschlüsse des Preßburger Friedens begannnämlich Napoleon nicht mehr blos auf die Fürsten und ihre Diener,sondern auch auf die Völker mit Verachtung herabzusehen, und des-halb über das Schicksal derselben blos mit Rücksicht auf seine per-sönlichen Zwecke zu verfügen. Er hatte die Grundlagen zu einemReiche gelegt, welches gleich dem römischen in alter Zeit, gleich demrussischen und dem englisch-indischen unserer Tage aus der Gewaltder Waffen ruhte. In diesem Reiche herrschte die Willkür einesMannes, welcher zu Gunsten seiner Plane oder zum Vortheile seinerFamilie und derjenigen Franzosen, die er belohnen und versorgenwollte, immer wieder neue Umgestaltungen vornahm, und sich gleichden alten Römern gegen die sogenannten Bundesgenossen Alles er-laubte. Königreiche wurden gleich Kartenhäusern aufgestellt undwieder umgestoßen, Fürsten ebenso von einem Gebiete in das andereversetzt, wie man die Officiere ihre Regimenter wechseln läßt, unddie Völker mieten im Frieden den Erpressungen habgieriger Fran-zosen preisgegeben.