Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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jsto Geschichte der neueren Zeit.

Gleich nach dem Preßburger Friedensschlüsse mußte Kaiser Franzden herrischen Sinn des mächtigen Herrschers empfinden. Napoleonsprach dem östreichischen Kabinet officiell seinen Unwillen darüberaus, daß der auf sein Verlangen entfernte Vice-Kanzler LudwigCobenzl durch den Stifter der Coalition, den Grafen Stadion,ersetzt wurde, und daß Erzherzog Karl, welchem Kaiser Franzdie Leitung des Kriegswesens übertragen hatte, umfassende Reformenvornahm, deren Nothwendigkeit im Kriege selbst klar erkannt wordenwar. Ebenso duldete Napoleon nicht, daß der bisherige KurfürstFerdinand von Salzburg, welcher mit östreichischen Truppen inWürzburg eingezogen war, diese bei sich behielt. Einen anderenAnlaß zu willkürlichem Verfahren gaben die Angelegenheiten Dal-matien's. Dieses Land sollte nach dem Friedensvertrage ebenso,wie alle übrigen venetianischen Besitzungen, an Napoleon abgetretenwerden; noch ehe aber die französischen Truppen dort ankamen,hatten die Russen von Neapel aus einige dalmatische Städte besetzt.Dies gebrauchte dann Napoleon als Vorwand, um seine Truppendiesseit des Rheines stehen zu lassen und die Stadt Braunau, gegendie Bestimmungen des Preßburger Friedens, auch fernerhin besetztzu halten. Ein großer Gewinn war es damals für Östreich, daßder Graf von Metternich, welcher als Gesandter nach Paris ge-schickt wurde, einen bedeutenden Einfluß auf die Geschäfte erhielt;denn dieser gehörte zu den wenigen Staatsmännern, welche demverschlagenen Talleyrand gewachsen waren.

Die Willkür, mit welcher seit dem Beginne des Jahres 1806die Völker behandelt wurden, mußten zuerst die Holländer em-pfinden. Schon im Februar 1806 ließ Napoleon dem Naths-Pen-sionär Schimmelpenninck anzeigen, daß die 1805 in Hollandeingeführte Verfassung ganz umgestaltet werden müsse. Sechs Wochenspäter forderte er die Holländer gewissermaßen befehlend auf, sichseinen Bruder Louis zum Könige zu erbitten, weil er sich bei dergegen Holland beschlossenen Gewaltthat ebenso, wie früher bei derEinziehung von Genua und Lucca (s. S. 82 f.), den frem-den Mächten gegenüber die Ausflucht verschaffen wollte, daß er demausgesprochenen Wunsche des Volkes selbst gemäß handele. DieHolländer, welche an Schimmelpenninck einen ebenso gewandten, alspatriotischen Leiter hatten, widersetzten sich zwar der unvermeidlichen