Preußen und Frankreich tm Sommer und Herbst 1806 . jjg
Protectorat schaffen könne. Dieser Gedanke ward von Haugwitzmit hastiger Begierde ergriffen; als man ihn aber in Ausführungbringen wollte, und deshalb mit Sachsen und Kurhessen Unterhand-lungen anknüpfte, ward durch französische Einflüsterungen Alles hin-tertrieben. Den Hanse-Städten verbot Napoleon sogar geradezu,sich mit Preußen einzulassen. Bald nachher erfuhr man in Berlin,daß Frankreich bei den Friedensverhandlungcn mit England dieZurückgabe Hannover's an König Georg III. angeboten habe. Da-durch gerieth der König von Preußen so sehr in Schrecken, daß eram 10. August Befehl gab, das Heer mobil zu machen. Zu einemfesten Entschlüsse konnte er jedoch auch damals nicht kommen, weiler seiner Natur nach vor jedem entscheidenden Schritte zurückbebte,und fortwährend von Männern umlagert war, welche entweder wieHaugwitz, Lombard und Beyme es nicht ehrlich meinten, oderwie Kökeritz allem Thatkräftigen abgeneigt waren. Dieses Zagenund Zaudern hatte für Preußen zwei verderbliche Folgen. Auf dereinen Seite erhielt nämlich Napoleon, der mit gewohnter Schlauheitalle seine Schritte auf den Charakter des Königs berechnete, dienöthige Zeit, seine Streitkräfte an allen entscheidenden Punkten soaufzustellen, daß nachher Preußen schon beim ersten Beginne desKrieges unrettbar verloren war. Auf der anderen Seite aber brachtesich Preußen durch sein Benehmen um die Hülfe der Engländer.Diese trauten, obgleich sie am 25. September die Blokade der nord-deutschen Flüsse aufhoben, sogar noch beim Ausbruche des Kriegeseinem von Haugwitz und ähnlichen Männern geleiteten Kabinetnicht. Dagegen sagte der russische Kaiser im Herbst 1806 seineHülfe zu, die aber bis zum Augenblicke der Entscheidung unmöglicheintreffen konnte.
Gegen das Ende des Monats August schickte das preußischeKabinet den für eine Verbindung mit Frankreich eifernden GeneralKnobelsdorf nach Paris, wo bis dahin der Jtaliäner Lucchesinidie Interessen Preußen'ö schlecht genug vertreten hatte. Die Unter-handlungen, welche durch Knobelsdorf in Paris noch einmal ange-knüpft wurden, dienten dem schlauen Talleyrand dazu, das preußischeKabinet sogar dann noch zu täuschen und einzuschläfern, als Napo-leon schon im Begriffe stand, zur Armee abzureisen. Am 25. Sep-tember begab sich Napoleon nach Deutschland, und jetzt erst, als es
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