Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

zu spät war, faßte man in Berlin einen kühnen Beschluß; manging aber dann nach der Natur furchtsamer Gemüther von Ver-zagtheit zu Übereilung und Trotz über. Friedrich Wilhelm ließnämlich dem französischen Kabinet ein von Gentz und Lombard ab-gefaßtes Schreiben überreichen, in welchem die Fortdauer desFriedens an beleidigende Bedingungen geknüpft, und bis spätestenszum 8. Oktober eine Antwort gefordert wurde. Man verlangte indiesem Schreiben, daß alle französischen Truppen über den Rheinzurückgezogen würden, daß Preußen das ganze nördliche Deutschlandin einen Bund vereinigen dürfe, daß Wesel wieder von Frankreichgetrennt und die von Mürat besetzten preußischen Abteien wiederherausgegeben würden. Dieses trotzige Schreiben, welches Napoleonam 7. Oktober in Bamberg erhielt, würde allein schon den Aus-bruch des Krieges herbeigeführt haben, wenn auch nicht bereitsder Befehl zum Beginne der Feindseligkeiten gegeben wor-den wäre.

Mit den Anstalten, welche unterdessen in Preußen für den Krieggetroffen worden waren, sah es traurig aus. Die hohe Generalitätbestand aus Männern, welche nicht nur der alten Schule ange-hörten, sondern auch fast insgesammt schon ihren Lebensjahren nachnicht geeignet waren, einen jugendlichen Kampf auf Leben und Todzu leiten. Von dreizehn der vornehmsten Generale stand der älteste,Möllendorf, im zweiundachtzigsten, der Zweitälteste, Ferdinandvon Braunschweig, im einundsiebenzigsten Lebensjahre; der jüngste,Prinz Louis Ferdinand, war freilich erst vierunddreißig Jahrealt, der zweitjüngste aber, Rüchel, zweiundfünfzig. Auch war nureiner von ihnen, Blücher, im Stande, sich mit Napoleon's Gene-ralen zu messen. Rüchel und Prinz Louis Ferdinand gehörtenfreilich ebenso, wie Blücher, zu den erklärten Franzosen-Feinden.Allein Rüchel war ganz in dem alten System des maschinenartigenKriegsdienstes befangen und also nicht im Stande, den Volksgeistzu beleben und zu leiten, ohne dessen Mitwirkung der Sieg unmög-lich zu erlangen war; und Louis Ferdinand zeichnete sich nur durcheiste Tollkühnheit aus, welche mehr für einen Husaren-Officier, alsfür einen Heerführer paßte. Zum obersten Befehlshaber wardFerdinand von Braunschweig ernannt, obgleich derselbe imRevolutions-Kriege seine Unfähigkeit, dem neuen System der Fran-