Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Frankreich und Preußen. Krieg im Jahre 1806. 127

Friedrich's des Großen begab, und aus den Zimmern desselbendie Reliquien des großen Königs, Degen, Schärpe, Ringkragen undOrdensband, wegnahm, um sie in Paris auf einem Triumphwagenund unter Geschützesdonner in das Invaliden-Haus bringen zulassen. Eine Komödie war es, daß er den Fürsten von Hatzfeld,weil er an Hohenlohe Nachrichten über die französischen Truppen inBerlin überschickt hatte, zuerst gegen die Vorstellungen seiner Gene-rale durch ein Kriegsgericht mit dem Tode bedrohen ließ, und dannder um Gnade flehenden Gattin desselben den aufgefangenen Briefgab, um ihn ins Feuer zu werfen. Unwürdig war es ferner, daßer den Gesandten des sterbenden Herzogs von Braunschweig barschzurückwies, und declamatorisch an das bekannte Manifest desselbenvon 1792 (s. Th. XVIl., S. 287) erinnerte, wiewohl er damit nurdie schon beschlossene Einziehung des Herzogthums Braunschweigbeschönigen wollte. Auffallend war es endlich, daß er sich, wasnach der Besiegung Östreichs nicht geschehen war, von allen preußi-schen Beamten den Huldigungseid leisten ließ. Mehr, als allesAndere, unwürdig aber und für jeden, welcher wahre Größe zu be-urtheilen weiß, tief betrübend sind die im Tone eines groben Feld-webels geschriebenen Schmähungen, die sich Napoleon in Bülletinsund Zeitungen gegen die unglückliche, höchst liebenswürdige Königinvon Preußen erlaubte.

Während Napoleon in Berlin verweilte, war es nahe daran,daß die feigen Seelen, welche den über die Oder geflohenen Königvon Preußen in ihrer Gewalt hatten, diesen ebenso unverständigund treulos von England und Rußland getrennt und mit gebunde-nen Händen den Franzosen überliefert hätten, wie er durch dieNiederträchtigkeit der Commandanten fast aller seiner Festungenberaubt wurde. Lucchesini, Lombard, Haugwitz, Zastrowund Consorten hielten trotz des schweren Unglückes, das sie überPreußen herbeigezogen hatten, den König so sehr umstrickt, daßweder der Freiherr von Stein, noch die edele und patriotischeKönigin etwas über seine zagende Seele vermochte. Auf ihren.Rath hatte Friedrich Wilhelm schon am 17. Oktober Lucchesini ab-geschickt, um von Napoleon einen Waffenstillstand zu erbetteln; baldnachher ward dem treulosen Jtaliäner ein ebenso unzuverlässigerMann, der General Zastrow, zugesellt. Napoleon wollte anfangs