13k
Geschichte der »eueren Zeit.
Raubsucht, Rohheit und unaufhörlichen Unterschleifen eine nothwen-dige Folge der russischen Staatseinrichtung ist. Das VorrückenBennigsen's hatte vom 5. Juni an mehrere mörderische Gefechtevon ähnlicher Art zur Folge, wie sie der Schlacht bei Eilau voraus-gegangen waren. Am 9. Juni standen sich die beiderseitigen Haupt-massen bei Heilsberg an der Alle gegenüber. Am 10. suchten dieFranzosen vergebens das russische Heer aus seiner festen Stellungzu verdrängen. Am folgenden Tage zog sich Bennigsen freiwilligzurück, weil er einerseits besorgte, daß man ihn von Königsbergabschneiden möchte, und weil er andererseits sich mit einem dortstehenden Corps zu vereinigen suchte, noch ehe die Reserven beiNapoleon eingetroffen wären. Bei Wehlau wandte er sich jedocham 13. wieder zum Angriffe um, und nahm dann bei Fried-land eine Stellung, die ihm im Falle einer Niederlage verderblichwerden mußte, weil er einen Fluß im Rücken und einen Sumpfzur Seite hatte. Sein großer Gegner benutzte sogleich diesen Fehler,und traf seine Anordnungen so, daß er des Sieges im Vorausganz gewiß war. Am 14. Juni Abends fünf Uhr begann Napo-leon mit seinem ganzen Heere den Angriff, und nach kurzem, aberauf beiden Seiten sehr tapferem Kampfe waren die Russen völliggeschlagen. Von den Letzteren, welche etwa fünfundfünfzigtausendMann stark in die Schlacht geführt worden waren, wurden sieben-zehntausend getödtet oder verwundet. Bennigsen zog sich unmittel-bar nach der erlittenen Niederlage über die russische Grenze zurück;Lestocq mußte mit den preußischen Truppen nach Memel eilen; undKönigsberg mit seinen bedeutenden Magazinen ward schon am 16.Juni von den Franzosen besetzt.
Durch Napoleon's Sieg bei Friedland war Preußen vollständigüberwältigt. Es würde in Folge desselben vielleicht ganz unterge-gangen sein, wenn damals nicht ein für Gefühle der Freundschaftempfänglicher Fürst über Rußland geherrscht hätte. Der Rest despreußischen Reiches ward nämlich in Folge der Schlacht bei Fried-land eine Beute der Franzosen, da die zwei einzigen Festungen,welche im Norden noch übrig waren, Colberg und Graudenz, sichnicht länger als wenige Tage oder Wochen zu halten vermochten,und ein Subsidien-Vertrag, welchen der preußische Gesandte in Lon-don am 17. Juni abschloß, jetzt nichts mehr nützen konnte. Har-