Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
137
JPEG-Download
 

Frankreich, Rußland u. Preußen. Frieden v. Tilsit. 1Z7

denberg, Stein, Schladen und einige andere Männer inFriedrich Wilhelm's Umgebung riechen zwar, trotz dieser bedenklichenLage der Dinge, zur Ausdauer; sie fanden aber niemand, auf densie hätten rechnen können. Ebenso wenig, wie Friedrich Wilhelm,war der russische Kaiser seinem Charakter nach im Stande, demDränge der Umstände zu widerstehen. Er hatte überdies alles Ver-trauen zu England verloren, und glaubte sich noch dazu nicht ein-mal der bloßen Neutralität der Östreicher versichert halten zu dürfen,weil er überzeugt war, daß diese darauf bedacht seien, im Trübenzu fischen. Alexander beschloß also, dem Kriege seinerseits ein Endezu machen. Er trug zu diesem Zwecke schon am 18. Juni aufeinen Waffenstillstand an, machte aber doch dabei die Bedingung,daß auch Preußen einen Waffenstillstand erlange. Am 21. wardhierauf mit Rußland, am 25. mit Preußen der Waffenstillstand inder Art abgeschlossen, daß unmittelbar nachher über einen Friedenunterhandelt werden sollte.

4. Der Frieden von Tilsit.

Die Friedensverhandlungen begannen am 25. Juni zu Tilsit.Sie wurden zwischen den beiden Kaisern und dem preußischen Königepersönlich geführt, und zwar auf einem Floße, welches eigens zudiesem Zwecke auf dem Niemen-Fluß gebaut worden war. Dochwar Friedrich Wilhelm erst von der zweiten Zusammenkunft an,welche am 26. Statt fand, zugegen. Mit dem russischen Kaiserhatte Napoleon damals ein noch leichteres Spiel, als anderthalbJahre früher mit Kaiser Franz von Ostreich; denn während dieservon Natur praktisch war, und weder Phantasie, noch Empfänglich-keit für Ideen besaß, war dagegen Alexander schwärmerisch, mystisch,romantisch und, wie alle Leute dieser Art, leicht zu enthusiasmiren.Schon bei der ersten Zusammenkunft ward der russische Kaiser vonNapoleon so sehr entzückt, daß er von diesem Augenblicke an ihnals Helden und Regenten wahrhaft verehrte. Den König vonPreußen, welcher bei den Verhandlungen eine Nebenrolle spielte,ließ Napoleon nicht nur durch die ganze Art seines Benehmens denGroll, den er schon längst gegen ihn hegte, empfinden, sonderndieser Groll wurde auch officiell und, wie man behauptet, auf