Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
138
JPEG-Download
 

1Z8 Geschichte der neueren Zeit.

Napoleon's eigenen Befehl zur Kenntniß des Publikums gebracht.Napoleon kränkte den unglücklichen König sogar in der Personseiner Gemahlin. Diese hatte man trotz der Warnung des rus-sischen Ministers Budberg veranlaßt, ebenfalls nach Tilsit zu kom-men, um den Sieger zu rühren; die edele Fürstin konnte aber,was vorauszusehen gewesen wäre, nichts erlangen, und ihre per-sönliche Einmischung in die Politik diente dem französischen Kaiserblos dazu, sie selbst durch herbe Worte und sogar unter der Formder Galanterie zu kränken.

Kaiser Alexander, in dessen weichem, sentimentalen Herzen dieMoral keine festen Wurzeln geschlagen hatte, ließ sich durch dieihm eröffnete Aussicht auf Gebietserweiterung gleich anfangs vonseinem bisherigen Freunde abziehen. Ja, er bereicherte sich sogarnoch dazu auf Unkosten desselben. Er schloß mit Napoleon am7. Juli 1807 einen besonderen Friedensvertrag, an dessen BerathungFriedrich Wilhelm und seine Minister keinen Theil genommenhatten, der aber nichtsdestoweniger bereits das Wesentlichste vondem enthielt, was Napoleon nachher dem preußischen Kabinet vor-schrieb. Neben diesem Hauptvertrage trafen Alexander und Napoleonnoch verschiedene geheime Verabredungen, welche zum Theil nichteinmal niedergeschrieben, insgesammt aber nie bekannt gemacht, undspäter von der einen oder der anderen Seite theilweise abgeleugnetwurden. Beide Kaiser opferten mit gleicher Rücksichtslosigkeit ihrebisherigen Bundesgenossen einander auf. Alexander gab seinenFreund, den König von Preußen, der Willkür Napoleon's preis,und dieser verabredete, wie er selbst später öffentlich erklärt hat,mit Alexander die Entthronung des Königs von Spanien und seinerFamilie. Über diesen Punkt urtheilt ein vornehmer diplomatischerFranzose, Lefebvre, ebenso streng, als man vom plebejisch-moralischenStandpunkte aus nur immer urtheilen könnte. „Niemals, sagtLefebvre, wurden die Interessen der bloßen äußeren Gewalt mitgrößerer Kühnheit gegen die Grundsätze des Rechtes und der Billig-keit geltend gemacht; niemals hat man mit größerer Willkür überdie Geschicke der Völker geschaltet und mit ärgerem Cynismus jenesGebot der Moral verletzt, welches uns verbietet, einen Freund zuopfern, der sich uns hingegeben und unsere Eide empfangen hat.Das Herz empört sich beim Anblicke der beiden mächtigsten Mo-