Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

Bruder, dem letzten Fürsten von Anhalt-Zerbst und Jever, geerbthatte, ward nebst dem bisher preußischen Ost-Friesland an Hollandabgetreten. Außerdem erkannte Alexander nicht nur die königlicheWürde von Napoleon's Brüdern, sondern auch die von diesem an-geordneten Territorial-Veränderungen an; er gab also alles dasauf, was Rußland seit 1803 in Hinsicht auf Oranien, Fulda,Piemont und Neapel gefordert hatte.

Durch die geheimen Verabredungen wurden die Artikel desöffentlichen Vertrages zum Theil geradezu wieder aufgehoben. Dieswar z. B. mit den die Türkei betreffenden Artikeln der Fall, durchwelche Östreich getäuscht werden sollte. Napoleon gab die Türkei,sowie Schweden dem Kaiser von Rußland, dieser dagegen Portugal,Spanien, Malta und die nordafrikamsche Küste den Franzosen preis.Außerdem versprach Alexander seinen Beitritt zum Continental-System, sowie die Überlassung der ionischen Inseln an Frankreich.Die anderen geheimen Verabredungen übergehen wir. Sie enthieltenzum Theil so durchaus abenteuerliche Dinge, daß sie unmöglich ernstgemeint gewesen sein konnten. Dahin rechnen wir unter Andern dieVerabredung eines Zuges, welchen Frankreich und Rußland gemein-schaftlich gegen das englische Indien unternehmen wollten. Übrigenswußten die Engländer sich durch große Summen genaue Kenntnißvon allen diesen Dingen zu verschaffen, da Talleyrand selbst,wenn auch nur durch Mittelspersonen, der Bestechung zugänglichwar. Talleyrand mußte dafür im August das Ministerium derauswärtigen Angelegenheiten an Champagny abgeben. Gegeneinen Proceß von Seiten des Kaisers war er ebenso, wie Fouchö,sicher gestellt, weil Beide in Geheimnisse eingeweiht waren, die keinAnderer kannte.

Der Vertrag zwischen Preußen und Frankreich ward am 9. Juligeschlossen. Er würde, wenn auch Alexander seinen Freund undBundesgenossen nicht aufgeopfert hätte, für Preußen schon aus demGrunde höchst verderblich ausgefallen sein, weil Friedrich Wilhelmmit den Unterhandlungen den Grafen Kalkreuth beauftragthatte, welchen der Herr von Schladen einen leichtsinnigen, altenSchwätzer nennt. Auch hatte Napoleon, damit dieser Mann undSeinesgleichen allein eine Stimme am preußischen Hofe hätten, am4. Juli dem König Friedrich Wilhelm förmlich befohlen, den Frei-