Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
143
JPEG-Download
 
  

143

Frankreich und Schweden im Jahre 1807.

Nach der Gefangennehmung des Mörner'schen Corps hatten dieSchweden von Stralsnnd aus sehr tapfer gegen die Franzosen unterMortier gekämpst. Zm März und April 1807 war es ihnen so-gar gelungen, bis über die Peene hinaus vorzudringen, weil Mortierseine Hauptmacht gegen die Festung Colberg hatte richten müssen,bei deren Belagerung die französischen Truppen in Bedrängniß ge-rathen waren. In Colberg hatte nämlich der aus der Schlacht beiJena entronnene Lieutenant Schill ein Frei-Corps gebildet, unddieses hatte so glückliche Streifzüge gemacht, daß Schill in einerZeit, wo man nur von Flucht, Verrath und Feigheit hörte, durchan und für sich unbedeutende Unternehmungen berühmt wurde. Zugleicher Zeit hatten sich viele Bürger von Colberg, unter ihnen be-sonders der wackere Nettelbeck, zur Vertheidigung ihrer Stadtbewaffnet, und den Commandanten Loucadou gehindert, demFeinde die Thore zu öffnen. Mortier hatte sich deswegen genöthigtgesehen, selbst nach Colberg aufzubrechen. Im April zog er jedochvon dort wieder gegen die Schweden zu Felde, und jetzt erst gelanges ihm, diese zurückzutreiben. Die Schweden mußten in Folge da-von am 18. April zu Schlattkow'einen Waffenstillstand eingehen,der sie verpflichtete, keine fremden Truppen in Pommern zuzulassenund nichts zur Unterstützung der in Colberg und Danzig belagertenPreußen zu unternehmen. Mortier wandte sich hierauf sogleichwieder gegen Colberg. Dort erschien aber fast zu gleicher Zeiteiner der tüchtigsten Officiere des preußischen Heeres, der Oberstvon Gneisenau, um an Loucadou's Stelle das Commando zuübernehmen; dieser leitete, unterstützt von Schill, von Nettelbeckund von dessen Mitbürgern, sowie von einer schwedischen Fregatte,welche trotz des Waffenstillstandes Hülfe leistete, die Vertheidigungmit solchem Erfolge, daß sich Colberg gegen ein Belagerungsheervon achtzehntausend Mann selbst dann noch hielt, als bereits dieAußenwerke genommen waren. Am 2. Juli ließ Mortier einen all-gemeinen Sturm unternehmen; seine Colonnen fanden aber überalldie hartnäckigste Gegenwehr, und Nachmittags um drei Uhr über-brachte ein Courier die Nachricht von dem am 25. Juni abge-schlossenen Waffenstillstände, nach welchem die wenigen noch nichteroberten Festungen in den Händen der Preußen blieben.