Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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144 Geschichte der neueren Zeit.

Jetzt fiel die ganze Last des Krieges auf den König vonSchweden. Dieser hatte den Schlattkower Waffenstillstand gleich an-fangs misbilligt, und war am 12. Mai nach Stralsund gekommen,um den Oberbefehl über die Preußen und Engländer zu übernehmen,welche der getroffenen Übereinkunft gemäß von Pommern aus dieFranzosen angreifen sollten (s. S. 135). Aber auch Napoleonhatte bereits die nöthigen Anordnungen getroffen, um den Krieggegen die Schweden und Engländer mit allem Nachdrucke führen zukönnen. Im Juni zog zwischen der Ems und Oder ein aus Fran-zosen, Spaniern, Jtaliänern und Holländern bestehendes starkesHeer zusammen. Der Anführer desselben, Marschall Brüne, hatteam 4. Juni eine Unterredung mit dem schwedischen Könige, beiwelcher sich aufs deutlichste zeigte, daß Gustav durch seine fire Ideevon einem göttlichen Rechte der Herrscher dem Wahnsinne nahegebracht sei. Der schwedische König machte nämlich dem MarschallBrüne, der ein Kind der Revolution und als Republikaner bekanntwar, den lächerlichen Antrag, die siegreichen Fahnen eines Mannes,welcher ebenfalls der Revolution seine Größe verdankte, zu ver-lassen und sich dagegen an den Prätendenten Ludwig XVIII. anzu-schließen, welcher nicht nur ein Feind der Revolution war, sondernauch mit Napoleon blos in der Hinsicht verglichen werden konnte,daß er ebenso ausgezeichnet in der Kochkunst und im Hof-Ceremonielwar, als dieser im Regieren und Kriegführen. Gleich darauf legteGustav seinen Wahnsinn noch einmal an den Tag, indem er trotzder Nachricht von dem zwischen Rußland, Preußen und Frankreichabgeschlossenen Waffenstillstände, trotz der dringend mahnenden Briefedes Königs von Preußen, und obgleich die Engländer nach langemZögern endlich nur ein Corps von achttausend Mann auf der InselRügen ausgeschifft hatten, den Waffenstillstand von Schlattkow auf-kündigte. Er wurde damals auch noch von den Engländern ver-lassen, welche ihre achttausend Mann wieder einschifften, um einenRaubzug gegen Dänemark zu unternehmen.

Marschall Brüne drängte den König sogleich bis Stralsund zu-rück, und belagerte ihn dann. Am 19. August verließ Gustav dieseFestung, nachdem die Einwohner ihn lange vergebens gebeten hatten,ihre Stadt nicht nutzlos dem Untergänge preiszugeben. Gleich dar-auf rückten die Franzosen in dieselbe ein. Napoleon hatte damals