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Geschichte der »eueren Zeit.
UM den russischen Kaiser aufs neue zu fesseln; Alexander war aberein größerer Meister in der Verstellungskunst als Napoleon, undblieb trotz der freundschaftlichen Gesinnung, die er gegen Napoleonzu hegen schien, vor wie nach mistrauisch. In Erfurt waren nichtblos vierundzwanzig Staats-Minister und dreißig Marschälle undGenerale erschienen, sondern Napoleon hatte auch seine vier deutschenVasallen-Könige (Baiern, Würtemberg, Sachsen und Westphalen),sowie vierunddreißig andere Fürsten und Prinzen des Rheinbundesdahin beschieden. Ebenso, wie diese als bloße Figuranten zu seinerVerherrlichung dienen sollten, hatte er auch den berühmten Talmanebst anderen Pariser Schauspielern nach Erfurt kommen lassen, umdort, wie er zu ihnen sagte, vor einem Parterre von Königen zuspielen. Noch weit besser aber, als der von Kaisern und Königenbeklatschte Talma, spielte in Erfurt Alexander seine Rolle, wennanders die Anekdote von der Schmeichelei, die er einst im Theaterdem französischen Kaiser sagte, wahr ist. Als nämlich auf derBühne der Vers: ll'smitlö ä'un Arsnä komme est uu bienksit ckesckieux ausgesprochen wurde, ergriff Alexander Napoleon's Hand undsagte empfindsam: „Das habe ich nie tiefer gefühlt, als in diesemAugenblicke." Die vielen Festlichkeiten in Erfurt übergehen wirebenso, wie wir zur Ehre der deutschen Nation nicht näher berichten,daß deutsche Fürsten und Großen sich dort sogar vor Napoleon'sGeneralen und Hofleuten beugten, und daß selbst die französischenGrenadiere sich in ihrem nationalen und militärischen Selbstgefühleüber sie erhaben dünkten. Übrigens waren die Scenen des ErfurterKongresses, welcher vom 27. September bis zum 14. Oktober dau-erte, besonders aber das Gepränge mit der russischen Freundschaftauch mit auf die französische Nation berechnet, welche dem, was da-mals in Spanien vorging, unwillig zusah, und deren Augen des-halb geblendet werden sollten.
In Betreff der eigentlichen Unterhandlungen zu Erfurt ist zu-nächst hervorzuheben, daß Napoleon, um dem russischen Kaiser zuschmeicheln, die Miene annahm, als wenn er auf dessen Verwendendie Bedrückung Preußen's mildern und mit England, von welchemalles Unglück ausgehe, Frieden schließen wolle. Kaiser Franz vonÖstreich, welcher zu dem Kongreß nicht eingeladen worden war,hatte den Obersten Vincent mit einem Briefe voll Friedensver-