Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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188 Geschichte der neueren Zeit.

ausgerufen. Seine ersten Regenten-Handlungen bestanden darin,daß er durch ein demüthiges Schreiben dem französischen Kaiserseine Thronbesteigung anzeigte, sowie daß er den gefangenen Godoyaller seiner Ehren verlustig erklärte, seine Güter einziehen ließ undihn vor Gericht zu stellen befahl.

Am 24. März begab sich der neue König nach Madrid. Hierwar am Tage vorher bereits Mürat angekommen, welcher auf dieNachricht von den Vorfällen in Aranjuez mit Truppen herbeigeeiltwar. Mit ihm knüpfte die Königin zu Gunsten ihres Lieblingseinen Briefwechsel an, welchen bald nachher Napoleon im Moniteurbekannt machen ließ, weil in demselben die ganze Verworfenheit derköniglichen Familie auf eine Schauder erregende Weise an den Tagtrat. Mürat nahm sich der Königin und ihres Gemahles an, hinter-trieb Ferdinand's Absicht, Beide nach Badajoz zu schicken, und be-wirkte auch, daß Godoy aus seinem Kerker in ein Schloß gebrachtwurde. Den neuen König erkannte Mürat, welcher selbst Beherr-scher von Spanien zu werden wünschte, nicht an. Karl mußte viel-mehr durch eine Urkunde, welche am 23. März geschrieben, abervom 21. datirt ward, seine Abdankung widerrufen. Gleich darauferschien in Madrid der Herzog von Rovigo (Savary), welchervon Napoleon dahin gesandt worden war, um unter dem Scheineiner schiedsrichterlichen Entscheidung sowohl den alten, als denjungen König aus dem Reiche zu locken und dann die HerrschaftSpanien's an Napoleon's Familie zu bringen. Savary vollzog denihm ertheilten Auftrag ganz so, wie man es von dem Leiter dergeheimen Polizei in Frankreich hatte erwarten können. Er versagtedem Prinzen Ferdinand nicht, wie Mürat und der französische Ge-sandte in Madrid, Franz von Beauharnais, ein Schwager derGroßherzogin Stephanie von Baden, gethan hatten, die Anerkennungund den Titel Majestät, ließ sich ihm aber blos als Privatmannvorstellen. Er erklärte ihm, daß Napoleon am 2. April von Parisnach Spanien abgereist sei, daß also Ferdinand, da er sich Könignenne, dem französischen Kaiser bei seiner Ankunft in Spanien schick-licher Weise entgegenreisen müsse. Er ließ sogar das Gerücht aus-sprengen, Napoleon sei schon in Burgos eingetroffen. Der verblendeteFerdinand erblickte den ihm gelegten Fallstrick nicht, und entschloß sichzur Abreise, obgleich er von jedermann gewarnt wurde, und obgleich