Spanien. Sturz Godoy's u. Ferdinand's Vffl. 1808. 189
Napoleon nicht ihn, sondern seinen Vater als König anerkannte.Ferdinand nahm, als er am 10. April mit seinem älteren BruderDon Karlos von Madrid abreiste, sogar die Begleitung einesMannes an, welcher die furchtbare Miliz der Häscher von Frank-reich befehligte. Dieser hatte auf dem ganzen Wege bis nachBayonne französische Truppen unter dem Vorwande zusammengezo-gen, daß sie dem König Ferdinand als Ehrenbegleitung dienen soll-ten. Ferdinand reiste mit ihm nach Burgos, ließ sich, als er denKaiser dort nicht antraf, auch nach Vittoria locken, obgleich er fort-während gewarnt wurde, und in Burgos sogar das Volk selbst ihnhatte zurückhalten wollen. In Vittoria erhielt er ein SchreibenNapoleon's, welcher bereits in Bayonne eingetroffen war. DiesesSchreiben lautete ganz zu Gunsten Godoy's und des alten Königs;nur am Schlüsse desselben sprach sich Napoleon, um den Prinzensicher zu machen, über Ferdinand's Wunsch, eine französische Prin-zessin zu heirathen, sehr beifällig aus. Jeder Andere würde schondurch den Umstand, daß das Schreiben an ihn nur als an einenPrinzen gerichtet war, vom Weiterreisen abgeschreckt worden sein;Ferdinand ließ sich aber täuschen, und kam zum Erstaunen von Na-poleon selbst am 20. April in Bayonne an.
Hier sprach der Kaiser gegen Ferdinand's Vertrauten, Escoi-quiz, sogleich offen seine Absicht aus, das spanische Reich den Bour-bons zu entreißen. Er ließ dann dem betrogenen Prinzen durchSavary das Großherzogthum Toscana als Entschädigung anbieten;und als Ferdinand diesen Vorschlag ablehnte, verbot ihm Napoleondie Rückreise nach Spanien. Die Festhaltung des Prinzen würdejedoch den Kaiser in Verlegenheit gebracht haben, wenn nicht am30. April auch König Karl und seine Gemahlin in Bayonne ange-kommen wären. Mürat hatte am 16. April der von Ferdinandbestellten Junta oder interimistischen Regierungsbehörde erklärt, daßsein Kaiser nur Karl IV. als König von Spanien anerkenne. Die-selbe Erklärung hatte der ehemalige französische Gesandte in Berlin,Laforest (s. S. 92. u. S. 104), gemacht, welcher an BeauharnaisStelle nach Madrid geschickt worden war. Es war aber zugleichder Junta angezeigt worden, daß in Bayonne, wohin sich der Königalsbald begeben werde, Alles werde geordnet werden. Zur Frei-lassung Godoy's hatte Mürat die Junta am 21. April gezwungen,