2tz4 Geschichte der neueren Zeit.
Späher genau unterrichtet. Außerdem bemühten sich auch die Re-gierungen der deutsch-französischen Vasallen-Staaten, die Fäden derKabalen und Umtriebe aufzufinden und ihren Herrn und Gebieterzu warnen.
In Östreich hatte Erzherzog Karl das Kriegswesen, dessenLeitung ihm 1806 übertragen worden war, auf ähnliche Weise neuzu organisiren gesucht, wie Scharnhorst und Gneisenau in Preußen.Er hatte statt der Werbung die Aushebung eingeführt, eine Land-wehr errichtet, und das stehende Heer dadurch um ein Drittel ver-mehrt, daß er allen Regimentern ein drittes Bataillon beifügte,welches aus Recruten bestand, und aus dem man, wenn diese ein-geübt waren, die beiden anderen stets ergänzte. Leider vermochteer aber weder den Schlendrian und die Pedanterie der erstarrtensystematischen Verwaltung ganz zu beseitigen, noch auch in einemvöllig aristokratischen Lande jene rücksichtslos strenge Disciplin ein-zuführen, welche Napoleon'ö Heere furchtbar machte. So groß da-her auch die militärischen Talente des Erzherzogs und des GrafenGrüne, welcher unmittelbar unter ihm commandirte, waren, so tratdoch das alte System Beiden immer wieder hemmend in den Weg.Sie mußten z. B. die Eröffnung des Krieges weiter hinausschieben,als sie für gut fanden, blos weil die Verpflegungs-Anstalten ganzvernachlässigt, und die für dieselben bestimmten Gelder unterschlagenworden waren.
Die fortwährenden Verbesserungen des Kriegswesens und diebeständige Vermehrung der Truppen in Östreich erregten in Ver-bindung mit dem Treiben der Aristokratie großes Mistrauen inNapoleon. Er ließ deshalb schon im April 1808 von Bayonne ausden östreichischen Gesandten zu Paris, Wettern ich, mit beleidigen-den Worten auffordern, Auskunft über die neuen Heereseinrichtungenund Rüstungen Östreichs zu geben. Die Antwort fiel ausweichendaus. Nach Paris zurückgekehrt, behandelte Napoleon den FürstenMetternich in öffentlicher Audienz (15. August) auf eine ebensounerhörte Weise, wie früher Lord Withwvrth und Markow (s. S.67 f. u. S. 74). Als Napoleon hierauf nach Erfurt reiste, verbat ersich Metternich's Begleitung. Er wollte überhaupt Östreich dort nichtvertreten haben. Kaiser Franz schickte aber dessenungeachtet denObersten Vincent mit einem eigenhändigen demüthigen Schreiben,