' Ostreich und Rußland vor dem Kriege v. 1809 . 2ÜZ
weil er den Ausbruch des Krieges damals noch zu verzögernwünschte. Dieser Zweck ward auch erreicht. Nach dem ErfurterKongreß erhielten die Rheinbund-Fürsten, welche vorher ihre Heerehatten in Lagern vereinigen müssen, zwar die Weisung, diese Lagerwieder aufzuheben; es ward ihnen aber zugleich befohlen, ihreTruppen wieder zusammenzuziehen, sobald Astreich neue Anstaltenzum Kriege mache.
Astreich und England bemühten sich damals ebenso sehr, wieNapoleon, den russischen Kaiser günstig zu stimmen, welcher ver-möge des mit Napoleon geschlossenen Offensiv- und Defensiv-Ver-trages beim Ausbruche eines Krieges den Franzosen Hülfe leistenmußte. Kaiser Alexander ließ sich durch die Astreicher und Eng-länder nicht von Frankreich abziehen, weil beide Mächte auf jedeWeise seinen Planen in der Türkei entgegenarbeiteten, während Na-poleon sowohl in Tilsit als in Erfurt sich denselben zugethan gezeigthatte. Im Januar 1809 brachte Östreich sogar zwischen der Türkeiund England einen Frieden zu Stande, welcher gleich darauf dieHauptveranlaffung des neuen Krieges der Astreicher mit Frankreichward. In Folge dieses Friedens verlor nicht nur der französischeGesandte in Constantinopel seinen bisherigen Einfluß, sondern esward auch die Abtretung der Moldau und Walachei an Rußlandin weite Ferne gerückt. Nichtsdestoweniger spielte Kaiser Alexanderseit dem Erfurter Kongreß eine doppelte Rolle. Er unterhielt dieFreundschaft mit Napoleon, und schloß sich nicht an dessen Gegneran; dies geschah aber nur, weil die östreichischen Kriegsanstaltenkein Vertrauen in ihm erweckten. Er trat daher auch insgeheim mitden spanischen Insurgenten in Verkehr, und ließ durch seine Diplo-maten Oubril, Tolstop, Nesselrode, Tschernitschew und Andere einförmliches System der Spionerie und Bestechung betreiben. Denfranzösischen Gesandten in Petersburg, Caulaincourt, wußte erdadurch zu täuschen, daß er im Anfange des Jahres 1809 einedoppelte Verwaltung der auswärtigen Angelegenheiten einrichtete.Die eine, durch welche Caulaincourt hinter das Licht geführt wer-den sollte, ward von dem Minister Romanzow in französischemSinne geleitet. Die andere, welche vom Kaiser unmittelbar abhing,stand unter dem Einflüsse der Kaiserin Mutter und des Frechermvon Stein. Übrigens hielt Alexander doch auch den preußischen