Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
337
JPEG-Download
 

337

Deutschland. Der Krieg von 1813.

Zeit fortgefahren, ein doppeltes Spiel zu spielen. Es hatte auf dereinen Seite in London und im Haupt-Quartier der Alliirten unter-handeln lassen, und diesen bei ihren Unternehmungen sogar wirklicheDienste geleistet. Auf der anderen Seite hatte es aber auch die Ver-bindung mit Napoleon unterhalten, und nicht nur dem Könige vonSachsen die Rückkehr nach Dresden gestattet, sondern auch die pol-nischen Truppen Poniatowsky'ö, wiewohl freilich nicht mit denWaffen in der Hand, durch das östreichische Gebiet zu den Fran-zosen ziehen lassen. Man hoffte in Wien noch immer, Napoleonwerde sich, um nicht einen neuen Feind zu erhalten, zu Opfern anÖstreich entschließen. Napoleon hatte jedoch zu gute Gründe, mis-trauisch gegen Östreich zu sein. Als daher am 16. Mai der GrafBubna, sein alter Bekannter, nach Dresden kam und ihm, nebenwiederholten Versicherungen der freundschaftlichsten Gesinnung desKaisers Franz, die bestimmte Erklärung überbrachte, daß Östreich sichnicht mehr zur Stellung eines HülfShceres verpflichtet halte, wies erdie ihm angebotenen Grundlagen einer Friedensvermittelung zurück,und nahm sogar einen prahlenden und drohenden Ton an. Dochging er auf Bubna's Vorschlag ein, mit den Alliirten einen Waffen-stillstand zu schließen, während dessen ein Friedens-Kongreß gehaltenwerden solle. Bubna reiste hierauf nach Wien zurück, um mehr insEinzelne gehende Vorschläge für die Friedensverhandlungen zu holen.Napoleon gab ihm ein Schreiben an Kaiser Franz mit, welches sehrtrotzig lautete. Unmittelbar darauf suchte er den Kaiser Alexander,der sich beim russischen Heere befand, durch das Anerbieten vonZugeständnissen zu besonderen Unterhandlungen zu bewegen. Erschickte zu diesem Zwecke den General Caulaincourt an Alexan-der; man wies aber denselben schon bei den Vorposten zurück.

Noch ehe Bubna mit den östreichischen Vorschlägen zu Napoleonzurückgekehrt war,- kam es zu -einer zweiten Schlacht. Die Verbün-deten hatten ihre Hauptmacht von der Elbe nach der Lausitz hinzurückgezogen, und Napoleon glaubte aus der Stellung, die sie ander oberen Spree eingenommen hatten, schließen zu müssen, daß siedort einen Angriff erwarten wollten. Er führte daher ein ihnen anZahl überlegenes Heer (hunderttausend Mann) nach jener Gegend,und rief außerdem noch etwa sechszigtausend Mann herbei, welcheunter Ney und Lauriston gegen Berlin hatten ziehen sollen. AmSchlossers Weltgesch. f. d. d.V.xvm. »»