4Ü8 Geschichte der neueren Zeit.
ihre Herrschaft schon längst fest gegründet hatten, so war die ein-heimische Regierung ein bloßer Schatten. Sie mußte sich deshalbebenso wie die Geistlichkeit auf bloße Kabalen beschränken; diesensetzten aber die englischen Officiere und Beamten ihrer Gewohnheitnach die Überlegenheit der rohen Gewalt entgegen. Ganz andersverhielt es sich mit den Spaniern. Diese waren auf ihre Unab-hängigkeit eifersüchtig, und suchten sich mit großer Behutsamkeit gegendas Schicksal der Portugiesen, Sicilianer und Jrländer zu schützen.Sie waren jedoch in zwei Parteien zerrissen, welche einander tödtlichhaßten. Von diesen beiden Parteien hatte die der Liberalen zwarin der Cortes-Versammlung das Übergewicht; sie war aber einerseitsden aristokratischen Engländern ein Gräuel, und befand sich anderer-seits ihren Feinden gegenüber schon seit dem Herbst des Jahres 1813in einer bedenklichen Lage. Es ward ihr nämlich nicht nur der all-gemeine Umschwung gefährlich, welchen damals die Dinge in Europagenommen hatten, sondern ihre Gegner, die sogenannten Servilen,bedienten sich auch der Municipal-Verwaltung und des fanatischenPöbels von Cadir ganz ebenso gegen die Regentschaft und die Mehr-zahl der Cortes, wie einst der Gcmeinderath und Pöbel von Parisgegen den Convent gebraucht worden waren. Auf diese Weise ver-hinderten die Servilen namentlich die Verlegung der Regierung undGesetzgebung nach Madrid, obgleich der Ausbruch des gelben Fiebersin Cadir dieselbe durchaus nöthig zu machen schien. Erst als imHerbst 1813 eine neue Cortes-Versammlung nach den Vorschriftender Verfassung von 1812 gewählt und eine neue Regentschaft einge-setzt worden war, gelang es den Liberalen, am 29. November denBeschluß durchzusetzen, daß die Regentschaft und die Cortes nachMadrid übersiedeln sollten. Mit Wellington stand die neue gesetz-gebende Behörde auf besserem Fuße, als die alte; diese hatte denenglischen Heerführer so sehr gekränkt, daß er ihr sogar das ihmertheilte Amt eines Generalissimus hatte zurückgeben wollen.
Als im November 1813 die alliirten Mächte den Nest vonNapoleon's Armee über den Rhein zurückgetrieben hatten, spielteWellington den Krieg von Spanien nach Frankreich hinüber. Ernahm am 10. November die Stadt St. Jean de Lüz, und drängteSoult über die Nive zurück. Im December mußten die Franzosenin Folge eines mehrtägigen blutigen Kampfes, bei welchem drei