Geschichte der ueuereu Zeit.
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sein könne, und half die Sprache und Poesie seines Volkes von derverbrauchten akademischen Manier zur Natur und Wahrheit zurück-führen. Dieses Verdienst Chenier's wurde übrigens von den Fran-zosen erst mehrere Jahrzehnte nach seinem Tode anerkannt.
Die Veränderung, welche Andre Chenier im Stillen veranlaßthatte, ward durch Chateaubriand, ohne daß dieser selbst eswußte und ahnte, gefördert und weiter verbreitet. Dieser Mannhatte sich, wie die meisten übrigen Edelleute, der Revolution undihrer vernichtenden Gewalt durch freiwillige Verbannung entzogen;er hatte aber in das Eril mehr Bildung und mehr Phantasie mit-gebracht, als die anderen emigrirten Landjunker. Er war, als erFrankreich verließ, zuerst in die französischen Colonieen von Nord-Amerika gereist. Dort hatten sich bei den Colonisten die Sit-ten, die Sprache, das religiöse Leben und die Lieder des sechs-zehnten Jahrhunderts erhalten. Neben diesen Colonisten lernteChateaubriand zugleich die wilden Indianer der Steppen und Wäl-der kennen, unter denen er dann einen Theil des konventionellenWesens abwarf, und sich eine eigenthümliche Vorstellung von reli-giösem Naturleben bildete. Diese Vorstellung verlieh den beidenRomanen, welche Chateaubriand nach seiner Rückkehr aus der Ver-bannung bekannt machte, ihren Reiz. Die Natur und Neuheit inden Gemälden und Empfindungen, welche in diesen Romanen (Atalaund Rens) vorkommen, empfahl sie nicht blos dem großen franzö-sischen Publikum, sondern auch der englischen Aristokratie. Dazukam noch, daß die Art, wie in ihnen die christliche Religion empfohlenwird, ebenso den Protestanten und Liberalen, wie den Katholikenund Anhängern des alten Systems willkommen und erwünscht seinmußte. Chateaubriand erhielt daher auch, als er in die Heimath zu-rückgekehrt war, in den für die Literatur entscheidenden Kreisen dengrößten Einfluß. Dieser ward noch dadurch gesteigert, daß Chateau-briand schon von England aus nicht nur mit Fontanes, sondern auchmit allen den Emigranten in Verbindung getreten war, die sich anBonaparte anschlössen und ihm das neue Reich mit alten Formenin Kirche und Staat gründen halfen. Die vornehmen Herren undDamen waren entzückt über Schriften, in denen dasselbe Christen-thum verherrlicht war, das man bisher in Theatern, Journalenund Büchern nur als Pfaffenthum, Intoleranz und Heuchelei ge-