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Sechster Band. Erste Abtheilung. L.
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Lebenskraft.

Um eine sonst nur zu leicht mögliche Unbestimmtheit derBegriffe zu vermeiden, mufs zuvor festgesetzt werden, was manunter Leben zu verstehen habe 1 . Wenn man nicht allen Kör-pern Leben beilegt, wodurch nur Verwirrung entstehen kann,und, statt scharfsinniger Unterscheidung auffallend verschieden-artiger Functionen , solche Erscheinungen als identisch gesetztWerden, zwischen denen kaum entfernte Aehnlichkeit statt findet,so läfst sich ein eigentliches 2 Leben nur solchen Körpern bei-legen , welche mit Organen versehen sind, und selbst auch die-sen nur so lange , als ihre Organe sich thätig beweisen. Hier-nach kann also zuerst keinem Körper Leben beigelegt werden,wenn er nicht mit Organen versehn ist, und zweitens auch indiesem Falle nur so lange, als letztere ihre eigenthiimliche, vonihnen sogenannte organische Thätigkeit beibehalten ; denn einThier oder eine Pflanze lieifsen todt, sobald die letztere sieverlassen hat.

Das Vorhandenseyn und die Thätigkeit von Organen, wel-che im Allgemeinen die Entstehung, Erhaltung und Fortpflan-zung bedingen, geben also die unterscheidenden Kennzeichensolcher Körper ab, in denen wir ein Leben und durch gewisseeisenthümliche Thätigkeiten sich äufsernde Lebenskräfte an-

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nehmen; wo sie überhaupt fehlen, heifst der Körper absoluttodt, wo sie nicht mehr thätig sind, gleichfalls todt oder er-storben.

Aus dem Unterschiede der durch Organe belebten Körperund solcher, denen alle Lebensthätigkeit fehlt, ist ein anderer,noch weiter ausgedehnter hervorgegangen , wonach sie in orga-nische oder unorganische zerfallen. Organische Körper oderMaterien heifsen solche, die durch belebte Wesen während derDauer ihrer Lebensthätigkeit entstanden oder vielmehr aus ihreneinfachen Bestandtheilen zusammengesetzt sind, alle andern da-gegen werden unorganische genannt. Die Unterschiede belebteroder unbelebter organischer Körper und der allezeit unbelebtenunorganischen lassen sich auf das Bestimmteste nachweisen.

Der erste Hauptunterschied beider zeigt sich in der Art ihrerEntstehung und in der hierbei angenommenen Gestalt. Alle

1 Yergl. Treviranus Biologie. Th. I. S. 39.

2 Eine uneigentliche, eine quasi Kraft, wie die quasi Götter beiCjcero, anzuuelunen, ist wohl allgemein unzulässig.