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Sechster Band. Erste Abtheilung. L.
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Lebenskraft.

thümlichen oder nur anders modificirten Kräften beruhe. Esscheint mir jedoch hier nicht der Ort zu seyn, tiefer in dieseUntersuchungen einzugehn , und es wird genügen , darüber nurFolgendes zu bemerken. So lange noch für keinen einzelnenTrocefs des organischen Lebens die eigenthiimliche, ihn bedin-gende Kraft deutlich erkannt ist, mufs die Frage, ob bei allendie nämliche oder einzelne verschiedene Kräfte wirksam sind,noch zu frühzeitig erscheinen. Allerdings sind die erzeugtenWirkungen in einem hohen Grade verschieden , allein sie wer-den zugleich durch sehr ungleiche Organe bedingt und es dürftenicht schwer werden, bei der Erlaubnils hypothetischer Voraus-setzungen sie insgesammt auf eine gemeinsame Kraft zurückzu-führen. Wenn jedoch einige Physiologen 1 dieses Uir ganz noth-wendig erklären, weil die einzelnen Kräfte nicht für sich alleinwirken könnten, vereint aber wieder eine höhere, sie insge-sammt treibende, fordern würden, welche dann erst als dieeigentliche Lebenskraft zu betrachten wäre, so richten sie hierbeiihr Augenmerk hauptsächlich auf die höheren Thierclassen, derenOrganismus allerdings ein gemeinsames Ganzes ausmacht unddurch ein einfaches Princip belebt zu seyn scheint, dessen Ent-schwinden sofort den Tod aller einzelnen Theile herbeiführt.

Bei der Untersuchung der Lebenskraft kommt vor allenDingen noch eine sehr schwierige Frage in Betrachtung. Alleorganischen Körper nämlich, sowohl die Pilanzen als auch dieThiere, verlieren ihr Leben und werden in einfache Bestand-theile zerlegt, welche sich auf keine Weise anders als dietodten, unorganischen Materien verhalten. Jedes belebte We-sen, sobald einmal sein Lebenskeim gegeben ist, nimmt haupt-sächlich organische Stolle, welche früher belebten Körpern an-gehörten, aber auch unorganische, namentlich Sauerstolfgas,Kohlenstoff, Phosphor, Wasser, Salze u. s. w. in sich auf, assi-milirt sich einige Theile derselben und stöfst andere aus, wächsthierdurch und vermehrt also in seinem Individuum die Quantitätder belebten Materie, während andere Individuen nach dem Er-löschen ihres Lebens in ihre einfachen Bestandtheile zersetztwerden. Ohne sofort auf die entfernter liegende Frage einzu-gehn, nämlich ob hiernach die Summe der auf der Erde vor-

1 Vergl, Physiologie, philosophisch bearbeitet von C. Ch. ü.Scn.uiD. 111 Th. Jena 1798 — 1801. 8. Th. 1. S. 132.