338
L i c li t.
abwärts; 2. auch der Schall, obgleich er sich von dem Randeeines entgegengestellten Körpers seitwärts verbreitet, ist doch inder Gegend, wohin die gerade fortgepflanzten Schalllinien nichtgelangen, schwächer; 3. und endlich sehen wir ja bei derInflexion des Lichtes doch wirklich Lichtstrahlen innerhalb deseigentlichen Schattenraumes. Man kann hier auch wohl noch
o
das hinzusetzen, dafs, je schneller die Fortpflanzung der Vi-brationsbewegung ist, desto weniger merklich die Fortpflan-zung seitwärts seyn kann. Aus diesem Grunde sehen wir dielangsam vorrückenden Wasserwellen , wenn sie durch die Oeff-nung einer Wand gehen, sich kreisförmig jenseit dieser Oeff-nung ausbreiten; die schnellem Schallvibrationen lassen unszwar auch seitwärts von der OefTnung den Schall wahrnehmen,aber viel schwächer, als in der Richtung, in welcher sie zu derOeffnung gelangten, also dürfen wir schliefsen, dafs, wenn dieSchallwellen sichtbar wären, wir sie gerade vor der OelFnnnglebhaft erregt, seitwärts dagegen zwar in Kreislinien, derenTVlittelpunct die Oerthung wäre, fortgesetzt, aber viel schwächer\yahrnehmen würden. Und nun läl'st sich wohl einsehen, warumdie sehr schnelle Fortpflanzung der Lichtvibrationen nur sehr inder Nähe der Schattengrenze noch Spuren einer seitwärts gehen-den Fortpflanzung zeigt. Dieser Einw'urf ist daher völlig wi-derlegt und die Beugung des Lichtes spricht vielmehr für dieUudulationstheorie.
Dagegen läfst sich die Abirrung des Lichtes, die veränderteRichtung, in welcher der Lichtstrahl auf der bewerten Erdeunser Auge trilft, nicht ohne eine etwas schwierige Voraus-setzung erklären. Fuesnel gesteht selbst, dafs die Aberrationsicli nur dann nach der Undulationstheorie gut erklären lasse,wenn man annimmt, dafs derAether frei durch die ganze Erdku-gel durchströmt und dafs die diesem feinen Fluidum mitgetheilteGeschwindigkeit nur ein geringer Theil der Geschwindigkeit derErde ist. Und allerdings, wenn die Erde den ihr im Wege lie-genden Aether mit sich fortrisse und den hinter ihr bleibendenAether nöthigte, ihr zu folgen, so würden die das Fernrohr fül-lenden Aethertheilchen dieselben bleiben, indem die Erdefortrückt, und Vibrationen, die zum Beispiel senkrecht gegen dieRichtung der Bewegung der Erde wären , würden in diesemmit dem Fernrohre fortgeführten Aether eben so fortgehen, alsob die Erde ruhte. Fuesnel macht selbst hiergegen den Ein-