358
Licht.
eine Verrückung erleiden , so würden auch die in der nächstensenkrechten Ebene eine neue Gleichgewichtsstellung suchenmüssen (indem sie doch gewifs durch anziehende und absto-fsende Kräfte sich gegenseitig in ihrer Gleichgewichtslage er-halten), diese geriethen also in ähnliche Vibrationen, wie diein der nächst vorigen Ebene, und so pflanze sich, während dieTheilchen jeder senkrechten Ebene nur in dieser Ebene hin undher gleiten, dennoch die Erschütterung, die Erregung des Lich-tes, in einer auf jene Ebene senkrechten Richtung fort. Wennman frage, warum denn die Theilchen sich fast nur allein senk-recht auf die Richtung der Fortpflanzung bewegen , so könneman dieses dadurch beantworten , dafs man annehme, die Kraft,welche sich dem gegenseitigen Annähern der Schichten wider-setze , sey gröfser als die, welche dem Gleiten in der Ebeneeiner Schicht widersteht.
Aber zu einer deutlichen Vorstellung führt dieses immernicht. Wäre nur davon die Rede, warum in krystallisirtenKörpern die Polarisation statt finde, so könnte man, da hiereine in allen Fällen fest bestimmte Richtungslinie die Axen derungleichen Elasticitäten bestimmt, mit der Voraussetzung viel-leicht ausreichen, dafs die Leichtigkeit des Ausweichens derTheilchen in bestimmten Richtungen anders und dadurch dieRichtung der Vibrationen und ihrer Fortpflanzung bestimmt sey;aber auch im ganz freien Aether sollen wir uns eben solcheTransversalvibrationen denken, das heifst, wenn ein Strahl inverticaler Richtung zu uns kommt, sollen wir annehmen, erbestehe aus horizontalen Vibrationen, die kein Hinübertretender Theilchen aus einer horizontalen Ebene in die andere ge-statteten, und wenn ein horizontaler Strahl zu uns kommt, sosollen wir annehmen, hier verschieben sich die Theilchen ineiner verticalen Ebene und finden einen gröl’sern Widerstand,wenn sie aus einer dieser verticalen Ebenen in die nächste nachhorizontaler Richtung übergehen wollen. Es erhellt also deut-lich, dafs wir mit dieser Vorstellung nicht ansreichen. Ihr stehtauch noch etwas anderes entgegen. So richtig die Behauptungist, dafs eine geänderte Stellung der Theilchen in einer Ebenenothwendig eine Aenderung der Stellung der Theilchen in dernächsten parallelen Ebene fordert, eben so richtig ist es dochgewifs auch, dafs jene erste Aenderung auch auf die benach-barten Theile in jener Ebene selbst Einflufs haben mufs; warum