für Schweizer. 189
für den hinkenden Boten erbaulich zu erzählenwären.
Ueber diesen großen Fehlern ist das Gute nichtzu verkennen. Der freimüthige Verfasser verschweigtnicht, wie viel Verderben sich eingeschlichen hatte.Die Farben zur Contrastirung der alten und neuenSitten dürften etwa zu stark aufgetragen seyn; diealten kennt er nicht genug; die neuen beurtheilter zu streng, ohne au bedenken, daß einem inWohlstand und FrieM lebenden Volk verfeinerteGenüsse, daß auch ein freieres Wesen ihm nichtzu hoch anzurechnen sind. Hingegen ist allzurichtig,was II, 8Z, und bei vielen anderen Anlässen gerügtwird: man hatte den Sinn der Freiheit so ver-gessen, daß für Unterthanen außer dem gutenWillen einer oft verblendeten Obrigkeit durchauskeine Hülfe war; der Stolz der Souveränetätging hierin zu weit; es war bisweilen wie eineVerstockung, oder wie eine Verschwörung. Nichtweniger abscheulich sind jene Blutschulden, welchedurch Schmidlins, Schuhmachers, Masers, Euters,und einige andere Hinrichtungen auf etliche Kantonegewälzt worden sind. Bei dem allem war der Um-sturz ein Unglück: selten, im Lauf der Jahrhunderte,und in neueren Zeiten mit immer freierm Tadel,wagte man eine schreiende Ungerechtigkeit; furchtsamwaren auch die schlimmen; die öffentliche Stimmewurde nach und nach Gesetz; und wer wird ver-gessen können, was, bei allen Mangeln, dieSchweiz gewesen!
Die Geschichte ihrer Revolution füllt von der2(>5ten Seite des zweiten Theils das ganze Werk,und ist sein interessanter Theil; nicht sowohl derAnsicht wegen, die durchaus nicht unparteiisch ist,sondern durch die Zusammenstellung der (nur nichtimmer kritisch genauen) Auszüge öffentlicher Be-