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Die Regierung derColonie theilt die Tugenden, wodurchihre Unterthanen sich auszeichnen: sie betreibt ihr Geschäft,verschwendet sehr wenig, und sucht an Niemanden Hän-del; auch sind die Steuern daselbst massig, zuweilen auchnull, und gestatten den Unterthanen, indem sie ihnen wenigoder nichts von ihrem Einhommen vorwegziehen, ihre Er-sparnisse desto mehr zu vergrösscrn, aus denen Productiv-Capitale werden. — So übersteigen, trotz aller Schwäche derursprünglichen Capitale, die jährlichen Producte solcher Co-lonieen sehr bald ihre Consumtionen. Daher jenes reissendeAnschwellen der Reichthümer und der Bevölkerung, so mandaselbst wahrnimmt: denn in demselben Maasse, wie sichimmer mehr Capitale bilden, wird auch die Industrie-Arbeitdes Menschen immer gesuchter, und dass überall Menschengeboren werden, wo man ihrer bedarf, ist bekannt*).
Jetzt kann man es sich erklären, warum die Fortschrittedieser Colonieen so reissend sind. Bei den Alten scheinenEphesus und Milet, in Iileinasien, Tarent und Cro-tona in Italien, Syracus und Agrigent in Sicilien, nachkurzer Zeit ihre Mutterstaaten übertroffen zu haben. Die eng-lischen Colonieen in Nordamerika, welche in unseren neuerenZeiten den Colonieen der Griechen am ähnlichsten sind, ha-ben ein vielleicht minder glänzendes, aber nicht minder merk-würdiges und noch nicht geendetes, Schauspiel von Wohl-farth geliefert.
Es liegt im Wesen aller auf dieses Princip gegründetenColonieen, d. h. aller derer, die es auf keine Rückkehr insalte Vaterland anlegen, sieh eine vom Mutterland unabhän-gige Regierung zu geben; und behält auch das Mutterlanddie Anmaassung bei, ihnen Gesetze vorzuschreiben, so ge-winnt doch früher oder später die Gewalt der Dinge dieOberhand, und bewirkt Das, wozu Gerechtigkeit und wohl-verstandenes Interesse gleich anfangs riethen.
') Siehe Buch II. Cap. 11.