Buch III. Cap. i i.
170
Nicht eine Zinscnzablung macht eine Nation ärmer,
sondern die Comumtion des Capital s.
Melon sagt: die Schulden eines Staates sind Schuldender rechten Hand an die linke, wodurch der Körper nichtgeschwächt wird. Er irrt sich: der Staat wird dadurch ge-schwächt, dass das, der Regierung geliehene, Capital, weiles durch die, von der Regierung damit vorgenommene,Cnnsumtion zerstört worden ist, fortan Niemanden mehrden Gewinnst, oder, wenn man will, die Interessen abwer-fen kann, welche es in seiner Eigenschaft als Productiv-fonds einbringen konnte. Womit bezahlt nun aber derStaat die Zinsen seiner Schuld? Mit dem Theil eines an-deren Einkommens, welchen er, aus der Hand eines Steuer-pflichtigen, auf den Rentner überträgt.
. Vordem Anlehen existirten zwei Productivfonds, undzwei Einkommenssummen, als Früchte von diesen Fonds:nämlich das Capital des Darleihers, und der Fonds irgendeiner Art, woraus des Steuerpflichtige den Einhommenstheilschöpfte, welcher ihm demnächst abgefordert werden soll.Nach dem Anlehen ist von diesen beiden Fonds nur nochder eine übrig: nämlich der des Steuerpflichtigen, wel-cher nun dessen Ertrag nicht mehr zu seinem eigenenNutzen verwenden kann, weil die Regierung ihm densel-ben in Gestalt einer Steuer, zur Befriedigung des Rentners,abfordern muss. Der Rentner verliert dabei keinen Theilseines Einkommens; sondern nur den Steuerpflichtigentrifft dieser Verlust.
Viele Leute sehen bei Staats-Anlehen, weil sie in de-ren Gefolge keinen Verlust von baarem Gelde gewahr wer-den, auch keinen Werthverlust, und wähnen, dass darauslediglich eine Platzverrückung des Reichthums entstehe.Um ihren Irrthum möglichst anschaulich zu machen, setzeich an den Schluss dieses Capitels eine Tabelle, welchesynoptisch zeigt, was aus den dargeliehenen Fonds wird,und woher die, für die Staats-Anlehen zu bezahlende, Rentekömmt. (Siehe die Tabelle am Ende dieses Capitels.)