Band 
Dritter Band.
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A H II A Dl G.

■woraus sie besteht, zu sammeln und festzustellen. Was■würde es uns frommen, alberne Meinungen und mit Rechtverrufene Lehren zusammenzutragen? Ihre Wiederausgra-bung wäre ebenso unnütz als widerlich. Darum wird auchdie Geschichte einer Wissenschaft immer kürzer, jemehrdie Wissenschaft sich ausbildet: denn d’Alembert bemerktsehr richtig, »jemehr Licht man über einen Gegenständ»gewinnt, desto weniger befasst man sich mit den fsrischen»oder zweifelhaften Meinungen, welche er veranlasst hat.»Nach Dem, was andere Leute gemeynt haben, forscht man»nur aus eigenem Mangel an festen und klaren Begriffen,»die ein sicherer Anker sind«*). Sollten wir demnach dieNationalökonomie völlig durchschauen, so würde esuns ziemlich wenig interessiren, was unsere Vorfahren dar-über geträumt haben, und wir hätten keinen Grund, jeneReihe von Fehltritten zu zeichnen, wodurch der Mensch vonder Wahrheit abgeführt worden ist. Die Aufgabe ist nicht,sich mit den Irrthümern bekannt zu machen; sondern,dieselben zu vergessen.

Indessen nimmt doch jede Art von Geschichte dieNeugierde in Anspruch; sie lehrt uns das Verfahren desmenschlichen Geistes kennen; die Enthüllung eines Irrthumsbewirkt, dass man nicht mehr in denselben versinkt; seineBestreitung reinigt und befestigt die Fundamente einerWahrheit; und wenn die Principien einer Wissen-schaft theilweise noch bestritten sind, so darf deren Ge-schichte Controversen aufnehmen, welche über die streitigen• Punkte, und sogar über die Gesammtheit, der WissenschaftLicht verbreiten. Die unsrige hat erst neuerlich jenenGrad von Gewissheit erlangt, welcher den Denker befriedi-gen kann; erst seit dem Anfänge dieses Jahrhunderts hatman den Raum ermessen können, den sie durchlaufen hat;und ihr Ausbildungsgang kann dem Sachkenner nicht gleich-gültig seyn, welcher den mächtigen Einfluss, so sie auf dasSchicksal der Menschheit auszuüben bestimmt ist, schon jetztvoraussieht. .

*) Eiemens de pliylosophie: S. 17.