Band 
Sechster Band. Dritte Abhteilung. Me - My.
Seite
1740
JPEG-Download
 

1740

Meer.

den Oscillationen des Wassers, so müfsten sie regelmäßig' ge-krümmte Erhebungen und Vertiefungen bilden, die Verände-rung dieser Form abgerechnet, die in Folge der Durchkreu-zung entsteht. Noch verdient aber ein wichtiger Umstand be-rücksichtigt zu werden, nämlich der fortdauernde Einflufs desWindes. Dieser, in der Kegel geschwinder als die Welle,drückt dieselbe von hinten, wenn er die nämliche Richtunghat, und sofern dann ihr Kopf hierdurch stärker vorwärts ge-trieben wird, erhält sie an der vordem Seite eine einsvärtsgekrümmte Gestalt und ihre obern Theile schlagen in einzel-nen schäumenden Massen über. Ebendieses wird durch dieunter einem gewissen Winkel sie treffenden Windstöße be-wirkt und zwar um so mehr, je weniger sie selbst sich indieser Richtung bewegen, so dafs beide vereinte Ursachen diegekräuselten sogenannten Kämme der Wellen erzeugen,

71) Die Gröfse der Wellen, d. h. ihre Höhe nebst zu-gehöriger Breite und ihre Länge, wird bedingt durch dieAusdehnung und die Tiefe des Wassers, worin sie entstehn.Nach Bremontieh 1 erreichen die Wellen bei starkem undoleichmäfsigem Winde auf einem See oder einem Bassin von200 bis 300 F. Breite und 3 bis 4 F. Tiefe nie eine gröfsereHöhe als etwa 2 bis 3 Zoll, in den Buchten von Biscarosse ,Canau und Hourtins aber, welche von 1 bis 30 F. Tiefe undeine Länge von mehrern Stunden haben, aufserdem aber durchDünen an ihrer freien Verbindung mit dem Meere gehindertwerden, erreichen die Wellen nur 1,5 bis 2 Fufs Höhe. Beidieser Bestimmung bleibt jedoch fraglich, ob die Höhe vomuntersten Pnncte des Wellenthaies bis zur obersten Spitze desWellenberges oder vom mittleren gewöhnlichen Wasserspiegelbis zum letztem Puncte gemessen worden ist. Im erstem Fallescheint mir die Höhe zu gering angegeben; denn obgleich derWind nach dem Zeugnisse der Schiffer, namentlich der Lotsen,durch die unüberwindlichen Hindernisse des Landes einengrofsen Theil seiner Kraft verliert, so habe ich doch auf derElbe bei Cuxhaven , wo ihre Breite zwar unabsehbar ist, aberam Lande bei einem mit dem Ufer parallelen oder unter einemsehr spitzen Winkel von ihm abgewandten Winde Wellen ge-sehn, deren Höhe mindestens vier Fufs vom tiefsten bis zum

1 Joum. de Phys. T. LXXIX. p. 77.