W eilen.
1741
höchsten Puncte betrog. Bei weitem höher sind dagegen dieWellen auf der offenen See, hauptsächlich auf dem grofsenOceöne, denn in eingeschlossenen Meeren, als selbst demmittelländischen und der Ostsee , können sie nach Coudhaie 1diese gröfste Höhe gar nicht erreichen. Bergmann 2 giebt an,dafs nach Marsigli’s Messungen die Wellenhöhe, vom mitt-lern Spiegel an gemessen, im mittelländischen Meere nie über8 Fufs betrage, in der Ostsee seyen sie aber höher, was ichjedoch nicht für wahrscheinlich halte, indem Pisanskn 3 dieWellen der Ostsee kleiner, als die der Nordsee nennt, wieauch aus dem nähern Zusammenhänge der letztem mit demgrofsen Oceane wohl von selbst folgt. Auf der Nordsee un-gefähr in der Mitte zwischen Helgoland und Hüll habe ichbei starkem Winde, welcher des Nachts in einen Sturm über-ging , wodurch einige Schilfe an der englischen Küste schei-terten, die Höhe der Wellen nach dem Augenmafse und ausdem Fallen des Schiffes von der gröfsten Höhe bis in dieTiefe zwischen zwei Wellen zu messen gesucht; sie betrugaber sicher nicht mehr als i‘2 par. Fufs und wuchs in derNacht schwerlich bis zu 16 Fufs; am andern Nachmittage, alsder Sturm bis zu mäfsiger Heftigkeit sich gelegt hatte, konnteich richtiger diese Höhe zu etwa 8 Fufs schätzen. Bei Stür-men, die in Orcane übergehn, ist es auf einem Schilfe kaummöglich, die Höhe der Wellen zu messen, da man sich aufdem Verdecke nicht wohl halten kann, von der Küste ausist dann aber jede Messung unmöglich, weil flache Ufer dieHöhe der Wellen bis weit über die Gesichtsweite hinaus ver-mindern , steile sie vermehren , aufserdem aber die fortgerisse-nen Wassertheilchen und der hierdurch gebildete Nebel keinegenaue Begrenzung wahrnehmen lassen. Um so schätzbarerist eine Angabe, welche der verewigte v. Horner mir brief-lich hierüber mitgetheilt hat. Dieser wifsbegierige Reisendebegab sich einst auf dem freien grofsen Oceane bei einemtüchtigen Sturme in den Wandtauen des Schiffes so hoch hin-auf, bis der Kamm der Wellen mit dem Horizonte in einer
1 Thäorie des Vents. Fontenay 1786, 8.
2 Physikalische Erdbesohreibang. A. d. S. von Röhl. Greifst.1780. 8. S. 371.
3 Bemerkungen über die Ostsee n. s. w. Königib. 1782. 8.