1759
S t r ö m u n g e n.
der Mond, wenn man diesen wegen seiner starkem Wirkungmit Uebergehung des ähnlichen Einflusses der Sonne alleinberücksichtigt, binnen etwa 25 Stunden von Osten nach We-sten scheinbar um die Erde läuft und das Meer so in die Höhehebt, dafs es ungefähr 2,5 Stunden nach dem Durchgänge die-ses Trabanten durch den Meridian eines Ortes unter ebendie-sem seine gröfste Höhe erreicht, so folgen hieraus zwei Wir-kungen nothwendig. Zuerst mufs das Wasser hinter dem fort-rückenden Monde her gezogen werden und durch die stets wir-kende Kraft endlich nach dem Gesetze der Trägheit eine ei-gene Bewegung von Osten nach Westen erhalten. Zweitensaber wird das Gewicht der Wassersäulen an den angezogenenStellen unter dem Aequator durch diese Anziehung geringerwerden, die hierdurch erzeugte Umwandlung der runden Erd-kugel zur elliptischen Form mufs sich auch nach den Polen hin erstrecken und der Druck des Wassers daselbst unter den-jenigen Meridianen, unter denen die Fluth ihr Maximum er-reicht hat oder welche gerade vom Monde am stärksten an-gezogen werden, mufs also zunehmen. Hierzu kommt alsmitwirkende Bedingung, dafs das Meer unter dem Aequatorstark verdunstet, der erzeugte Wasserdaropf durch Luftströ-mungen nach den Polen hin abfliefst und zum grofsen Theilein den gemäfsigten Zonen und den Polargegenden als Hydro-meteore wieder herabfällt, wodurch also die Masse des Meer-wassers dort unausgesetzt vermindert, hier dagegen vermehrtwird. Aus beiden Ursachen mufs nothwendig ein stetes Strö-men des Wassers von den Polargegenden nach dem Aequatorhin statt finden. Hätte die Erde keine Umdrehung um ihreAxe, so würde hieraus eine wechselnde Strömung., gröfsten-theils in der Tiefe, von den Polen zum Aequator und vom Ae—quator wieder auf der Oberfläche nach den Polen hin entstehn. Neh-men wir aber an, dafs ein unter dem Pole befindliches, an derRotation der Erde nicht theilnehmendes Wassertheilchen in einerverschwindend kleinen Zeit plötzlich unter den Aequator ge-langte , so würden sich die äufsersten Puncte der Erde miteiner Geschwindigkeit von ungefähr 1400 Fufs in einer Se-cunde unter demselben in der Richtung von Westen nachOsten wegbewegen, oder wenn man dfese Rotationsbewegung,wie wirklich der Fall ist, nicht wahrnähme, so würde es selbstmit einer gleichen Geschwindigkeit sich in entgegengesetzterVI. Bd. Uuuuu