514 Physik.
systematisch ordnet und zusammengenommen zugleich mit denzu ihrer Aufstellung dienenden Zimmern ein physikalischesCabinet nennt. Sammlungen dieser Art sind , wie die Biblio-theken, reicher oder dürftiger, vollständiger oder unvollstän-di°er; eine absolute Vollständigkeit derselben ist schwer be-stimmbar und kann in der Wirklichkeit wohl überall kaum er-reicht werden. Die reichsten und schönsten sind gegenwärtigweuen ihrer Kostbarkeit das Eigenthum und zugleich eine Zierdeder Universitäten und öffentlichen Lehranstalten , wie z. B. derEcole polytechnique und der Universität zu Paris , der Univer-sität zu Edinburg , des polytechnischen Instituts und der Uni-versität zu Wien und der Universitäten zu München und zuDorpat ; kleinere und minder vollständige giebt es aufserdem inMenge, und diese dienen meistens ausschliefslich znr Erläute-rung der Vorträge über Experimentalphysik. Ein grofser Theilder altern Apparate zeigt noch deutlich die Unvollkommenheitder Technik und mechanischen Fertigkeit jener Zeiten und dieMehrzahl derselben ist nach schwachen Analogieen benannt,anstatt dafs gegenwärtig der Name zugleich die Bestimmungauszudrücken pflegt oder vom Erfinder hergenommen ist, wel-ches auch früher mitunter zu geschehn pflegte. Als Beispieleeiner spielenden Benennung lassen sich anführen das Sieb derVestalinnen, der künstliche Tantalus, der Oelkrug der WitweVon Zarpath u. s. w., die Sache selbst bezeichnend sind dieNamen Thermometer, Barometer, Luftpumpe und viele andere,von den Erfindern entlehnt dagegen Guericke’s Halbkugeln,der tubus Volderianus , Roberval’s problema staticum > Vol-tes Säule u. s. w.; 'zuweilen endlich verbindet man den Na-men des Erfinders mit dem bezeichnenden des Werkzeugs,z. B. Bramah’s hydraulische und Real’s hydrostatische Presse,Coulomb’s elektrische Waage, Davy’s aphlogistische Lampe,Mariajupti’s Boussole, Mayer’s Inflexioskop und viele an-dere. Gegenwärtig sucht man nicht sowohl die Menge der Ap-parate zu vermehren, als vielmehr ihre Güte und Brauchbarkeitzu erhöhn, indem man hauptsächlich danach strebt, die ausder Beschaffenheit der angewandten Substanzen und der Bewe-gung erwachsenden Hindernisse zu beseitigen oder zu vermin-dern, damit sie beim Gebrauche dasjenige genau messen undzeigen, was man zu beobachten wünscht. Insofern dieses abernicht blofs schwierig, sondern die Vermeidung aller Fehler