Band 
Siebenter Band. N - R.
Seite
526
JPEG-Download
 

526

Physik.

che anzunehmen geneigt sind, wonach sie in den ältesten Zei-ten sogar eine richtige Gradmessung bewerkstelligt haben sollen 1 ,allein gewifs oder mindestens höchstwahrscheinlich ist zugleich,dafs sie schon von der Einwanderung der Israeliten nicht unbe-deutende Fortschritte in der Astronomie und auch in der Physikgemacht hatten, wie dieses aus ihren mehr als mittelmäfsigenLeistungen in der Zeitbestimmung, in der Baukunst, Techno-logie und Agricultur unverkennbar hervorgeht. Es liegt übri-gens in mehrfachen örtlichen Bedingungen , dafs die BewohnerAegyptens bald nach ihrer Ansiedelung von der ursprünglichenRohheit wandernder Stämme zurückkommen mufsten. Diegrofse Fruchtbarkeit des ßodens gewährte nämlich zwar leichtzu erwerbenden und genügenden Unterhalt, allein die jährlichenUeberschwemmungen des Nils erforderten eine Beachtung ihrerperiodischen Wiederkehr, um sich dagegen zu sichern, undvertilgten aufserdem sicher schon damals, wie bis auf den heu-tigen Tag, alle bestehende Grenzbestimmungen, wodurch siedie Feststellung der Jahreslänge und die ersten Begriffe der Geo-däsie nothwendig machten. Es mag daher immerhin der ersteAnfang astronomischer Beobachtungen den nomadischen Völkernder nordasiatischen Küstenländer am mittelländischen Meeredeswegen zugehören , weil der Glanz der Sterne die Aufmerk-samkeit der nächtlichen Wärter grofser Heerden erregte, sicheraber machten die Eigenthümlichkeiten Aegyptens eine durchden Lauf der Gestirne gegebene Zeiteintheilung zum unum-gänglich dringenden Bedürfnisse. Wie weit es übrigens dieAegyptier in der Astronomie und der Physik gebracht habenmögen, dieses ist bei der Unbekanntschaft mit ihrer Hierogly-phenschrift schwer auszumitteln und auch aus den Ueberrestender Baukunst und sonstigen Denkmälern aus der Urzeit nichtwohl bestimmbar. Die Griechen legen zwar einen hohenWerth auf die Kenntnisse, welche ihre eigenen ältesten Ge-lehrten dort erlernten, allein mir scheint dieses mehr auf dengeringen Fortschritten zu beruhn, welche jene Völker damalserst gemacht hatten, als auf einer absolut hohen wissenschaft-lichen Bildung der Aegyptier, welche wohl in Folge klimati-scher Einflüsse zu schwerfällig im scharfen Nachdenken waren,um überhaupt eine hohe Stufe der Geistescultur zu erreichen,

1 Vergl. Art. Maß im Anf. A. a. Bd. VI. Abth. 2.