10(30
Quelle.
diejenige der blofs flachem Brunnen. Mehrere Schriftstellerhaben dieselben erwähnt, z. B. Popowitsch , welcher sie voneinem Ungeheuern, in dortiger Gegend befindlichen, durch dieSchieferlager bedeckten Wasserbehälter ableitet, und Stütz 1 2 ,welcher diese Meinung widerlegt und der Höhe jener Ortezuwider annimmt, sie reichten bis unter den Spiegel desMeers. Scholz* beschreibt das Verfahren auf folgende Weise.Zuerst wird die 10 bis 12 Klafter dicke Lage Grus (Schotter)in der gewöhnlichen Weite der Brunnen ausgegraben, bis manauf die 10 bis 50 Klafter mächtige Thonlage (den blauen Te-gel) kommt. Diese wird entblöfst und in der Mitte des Brun-nens ein gewöhnliches Brunnenrohr fest eingeschlagen, durchdieses ein Bohrer eingesenkt und damit die ganze Thonlagedurchbohrt, bis man auf die Steinplatte (erhärteten kieselhal-tigen Mergel oder Sandstein) kommt Ist diese vermittelst desSteinbohrers durchbohrt, so dringt das Wasser mit solcherHeftigkeit hervor, dafs die Arbeiter sich eiligst entfernen müs-sen. Das Brunnenrohr wird durch Aufsätze bis zur Oberflächedes Erdbodens verlängert und dann zuletzt ein Brunnenstockmit einem seitwärts gehenden Rohre aufgesetzt, aus welchemstets reichliches Wasser ausläuft. Diese Methode ist übrigensdie neuere, zuerst durch einen Bäckermeister aus Flandern ,der sich in Hetzendorf bei Wien niederliefs, bekannt gewor-dene und durch den Zimmermeister Belghofer vielfach inAnwendung gebrachte, die also höchst wahrscheinlich aus Ar-tois stammt. Früher pflegte man nämlich in dem Thonlagereinen gewöhnlichen , 4 bis 6 F. weiten Brunnen von etlichenFufs Tiefe auszugraben, damit sich das aus dem Bohrlocheaufsteigende Wasser darin ansammeln konnte, welches alsonur dann bis zur Oberfläche des Bodens gelangte, wenn dieThonschichte so hoch heraufging. y. Jacquin 3 beschreibt41genau untersuchte solche Brunnen in und bei Wien , in de-nen insgesammt das Wasser über die Oberfläche der Erde
1 Mineralogisches Taschenbuch, herausgegeben von Mecbrlev. MEhlfelo. Wien 1807. S. 40.
2 Anfaugsgründe d. Physik. 3te Auf]. Wien 1827. S. 638.
3 A. a. O. Eine spätere Schrift desselben Verf., nämlich: Dieartesischen Brunnen in und um Wien. Vom Freiherrn v. Jacquis.Nebst geognostischen Bemerkungen über dieselben von P. Partsch.Wien , 1831. kenne ich nicht genauer.