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den soll. Wenn wir nns aus dieser einleitenden Betrachtungüberzeugen, daß in drei bis vier zusammenhängenden Jahrhun-derten die Geschichte sich nach einem innewohnenden Geist und Ge-setze in einer einzigen Richtung, trotz allen Hemmungen und Ab-beugungen, stetig bewegt, so werden wir leicht voraussetzen, daßauch die drei bis vier Jahrzehnte, die wir zuletzt durchlebten, der-selben Richtung unterworfen sind. Und es wird dann nicht ver-messen scheinen, aus eben der Stetigkeit dieser Richtung ihr Zielerkennen, aus der verbundenen Betrachtung der Gegenwart undder Vergangenheit die Bedeutung unserer Zeit und den Geist ihrerGeschichte — was wir den Zweck unseres Geschichtswcrkes nann-ten — ermitteln zu wollen.
K. Alle Geschichte, in kleineren Zeiträumen betrachtet, bewegt
sich in einem gleichartigen Charakter, der von bestimmten vorherr-schenden Einflüssen gestaltet wird. In größere Perioden zusam-mengefaßt, gewährt sie das Bild steter Schwankungen zwischenentgegengesetzten Antrieben, die allem Uebcrgewichte einer einzel-nen Idee, einer leitenden Macht oder Bewegung zuwiderwirken.Ganz im großen Verlaufe der Jahrhunderte überschaut, ist dannwieder in diesem Wechsel von Ebbe und Flut eine stete Strömungnach einer bestimmten Richtung, der Fortschritt einer herrschen-den Idee ganz unverkennbar. In unserer ausführlichen Erzäh-lung der Geschichte der neuesten Zeit suchen wir,.wie es dieAufgabe jeder Geschichtschreibung ist, alle drei Bewegungen zu-gleich ins Auge zu fassen; in diesem einleitenden Ueberblicke derletzten Jahrhunderte verweilen wir ausschließlich bei jener großenStrömung der bestimmenden Zeitideen.