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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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worden. In den ältesten Zeiten, wie sie Homer schildert, alsnoch die Bevölkerung gering, Bildung und Reichthum, auch Waffen-bildung und Waffenbesitz nur bei Wenigen zu finden war, herrsch-ten in Griechenland patriarchalische Könige, die einzigen Besitzereines Wagcngcschirrs, die Häupter des Heeres, der Opfer undder Gerichte. Als mit der Zeit die Zahl der Gebildeten, Reichenund Waffentüchtigen wuchs, und nun im Kriege das Überge-wicht durch die Reiterei entschieden ward, wurde der Ritterstand,die Aristokratie, der herrschende Theil in den Staaten, und diekönigliche Gewalt ward, wie in Sparta, beschränkt, und überallsonst beseitigt. Wie dann bei dem fortschreitenden Wohlstände dermittlern Volksschichte zugleich die Aristokratie in Eigennutz undSelbstsucht entartete, bei der Ausbildung der Kriegskunst dasFußvolk von größerer Wichtigkeit und im Seekriege der Dienstder untersten Volksklasse ein Bedürfniß ward, trat die VolkS-herrschaft, die demokratische Regierungsform, an die Stelle deraristokratischen; oder es entstanden, indem die Staaten mäch-tiger und ausgedehnter, das Staats- und Kriegswesen zusam-mengesetzter und künstlicher wurde, gemischte Verfassungen, inwelchen Adel, Mittelstand und unteres Volk in bestimmten Rech-ten nebeneinander erschienen.

^Gleicher Ganz den gleichen Verlauf nun hat auch die europäische-nEelüng Staatenentwickelung in neuerer Zeit genommen, obwohl in weitneuerer Z->r. ^ößxren Verhältnissen der Massen, der Räume und Zeiten. An-fangs, bei der ersten Ausbreitung und Festsetzung der germanischenVolksstämme in Europa, herrschten auch hier patriarchalischeKönige, als Kriegs - und Gerichtshcrrn, wie dort. Ihr Vorzugberuhte iu der heidnischen Zeit, wie unter den Griechen, auf ihrerHerkunft von den Göttern. Aber auch in der christlichen Zeit er-faßt man in jenen (allen germanischen Stämmen gemeinsamen)