nur die Mehreren einig zu werden, so konnte ihnen der Einekeinen Widerstand leisten. Die Einigung des Volkes aber war insich viel schwieriger, weil Bildung und Interesse unter den Vielennicht so gleichartig sind und ihr zertheilter Besitz nicht so mächtigwirkt, wieder zusammengehaltene Reichthum weniger Familien.Dazu kam dann, daß der Widerstand auf der andern Seite größerwar: die Aristokratie im Besitz der Waffen, der Burgen undgroßen Güter, der Staatsfähigkeit und der Rechtskunde, mitihren Schutzverwandten in das Volk verwachsen, durch gemein-sames Interesse unter sich und mit dem fremden Adel enge ver-bunden. Daher bedurfte es bei dem Uebergang zur Volksherr-schaft in allen griechischen Staaten zuerst einer innern Entartungder Aristokratie, einer schädlichen Ausbeutung der Gesellschaft,einer Zurücksetzung, ja einer Zerstörung der öffentlichen Wohlfahrtzum Vortheil der herrschenden Klasse. Aber auch trotz diesem Ver-falle der Aristokratie in sich selbst brauchte das getheilte Volk(auch dies hat Aristoteles beobachtet) noch einen mächtigen undgeschickten Führer, der ihm dann allerdings die Aristokratie nieder-werfen half, aber nur um hierauf die Herrschaft an sich und seineFamilie zu reißen. Durch fast zwei Jahrhunderte (7. und 6. vorChr.) ist daher eine Tyrannenherrschaft über die griechischen Staa-ten ausgebreitet gewesen, die der Demokratie erst die Wege ge-bahnt hat. Denn obzwar die Tyrannie in Griechenland die Volks-herrschaft eine Zeit lang hemmte, so hat sie dieselbe doch durchdie Besiegung ihres gefährlichsten Feindes in der That vorbereitetund begründet.
r Auch dieser ganze Hergang bei dem Umschlag der aristokra-tischen zu den demokratischen Ordnungen hat in der Geschichte derneueren europäischen Staaten seine genaue Parallele, nur daß sichauch hier alles in den größeren Verhältnissen bewegt, welche die