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Schwierigkeiten und Hemmnisse aller Entwickelung in den neuerenStaaten außerordentlich vermehren und steigern. Auch hier hatder Lehenadel in allen einzelnen Landen das Erste zu seinem eig-nen Verfalle thun müssen: in Spanien vor und während der Re-gierung des Hauses Trastamara, in Deutschland seit den Zeitender saustrechtlichen Verwirrung, in England während der Kriegeder beiden Rosen, in Frankreich seit den schweren Kriegen unddem wüsten Parteitrciben unter Karl Vll. Wenn aber in solchenZeiten durch die herrschende Anarchie die politische Macht desAdels von ihm selbst gebrochen ward, so wurde dadurch dochzunächst weit mehr die Macht des fortbestehenden Königthums,als das Emporkommen der unteren Stände gefördert. Und auchandere, den neueren Zeiten eigenthümliche Umstände erschwertenjetzt die Volksherrschast weit mehr, als im Alterthum. Die Ari-stokratie war in der christlichen Welt in zwei verschiedene Lagergetheilt; Geistesbildung und Waffenbildung gingen ber denganz veränderten Rcligionsverhältnissen auf getrennten Wegen,und das Aufstreben des Volkes ward ungemcin dadurch gehemmt,daß dasselbe nicht allein seine Besitzmacht gegen die dieser beidenZweige der Aristokratie, nicht allein seine Waffenmacht gegen dieWaffenmacht des weltlichen Adels, sondern auch seine Bildunggegen die Bildung des geistlichen AdelS geltend zu machen, daßes auf kirchlichem und weltlichem Gebiete zweifache Revolutionendurchzufechten hatte. Dazukam, daß Einigung und Erstarkungdes Volkes in den dünn bevölkerten weiten Räumen noch viellangsamer vor sich ging, als im Alterthum; und ehe sich die un-teren Volksklassen unter dem Schutze des Königthums in denKampf mit der Aristokratie einließen, begegnet man vom 13.—16.Jahrhundert vielfachen vereinzelten Erhebungen des Bürger- und< ^ Bauernstandes, die beiden fast überall zum Verderben ausschlugen.Zu Ende des 15. Jahrhunderts aber begann auch hier das Zu-
Gervinus, Einleitung. 2